Drogenliberalisierung: Tschechien als Negativbeispiel

In einer Zeit, in der in der Politik und der Gesellschaft viel darüber diskutiert wird, ob Drogengesetze gelockert werden sollten um den Kampf gegen den Schwarzmarkt endlich mit einem Sieg zu beenden, gucken sich Medien und Repräsentanten gerne im Ausland nach Vorreitern und Beispielen um. Tschechien, der deutsche Nachbar aus dem Osten, bietet sich für die negative Betrachtungsweise der Gesetzeslockerung an, während Portugal, aber auch südamerikanische Staaten wie Mexiko und sogar die USA teilweise dazu mobilisieren, den Kampf gegen die Drogen endlich anders anzugehen: nämlich mit Liberalisierung.

 

Die Mission der Verfechter der Drogenfreiheit: den Konsum und den Besitz von Drogen zu entkriminalisieren. Vor allem die Lifestyle-Droge Marihuana wird dabei häufig diskutiert. Sie sei so harmlos und unschädigend, dass man sie sehr einfach mit Alkohol vergleichen kann und die Gesetze lockern sollten. In Tschechien ist das bereits seit 2010 geschehen; hier können bestimmte Mengen verschiedener Drogen, von Cannabis bis Crystal Meth, straffrei konsumiert werden.

 

Für – oder vielmehr, gegen den Schwarzmarkt – hat das nicht viel gebracht. Im Falle von Cannabis hat sich eine regelrechte Selbstzüchter-Kultur in Tschechien gebildet, die ausländische Drogenschmuggler aussticht. Jedoch lag das nicht im Sinne der Regierung, die sich eigentlich im nächsten Schritt um eine Legalisierung und damit Versteuerung der Drogen kümmern müsste, um tatsächlich den Schwarzmarkt einzudämmen. Cannabis Samen wie z.B Schmerzpatienten völlig legal verkauft werden können, haben sich in Tschechien Felder der Expertise entwickelt. Verschiedene Sorten werden privat von geschäftsaffinen Menschen angebaut. Das Gras wird dann etwa an Touristen verkauft. Zwar entsteht dadurch keine riesige kriminelle Maschine, da jede Privatperson im Kleinen agiert. Nichtsdestotrotz macht es die Masse: jeder in Tschechien kann zum Produzent von (noch) illegalen Drogen werden.

 

Allerdings hat die Liberalisierung auch ihre Vorteile. Viele Menschen, die in Tschechien in die Drogenfalle gerutscht sind, müssen sich nicht ihr Leben lang vor Gerichten rechtfertigen und werden für den Eigenkonsum nicht verurteilt. Das sind die elementaren Gründe, wieso sich etwa in den USA viele Menschen gegen den War on Drugs aussprechen. Die Gefängnisse sind voll mit Insassen, die lediglich Marihuana konsumiert haben; eine verhältnismäßig leichte Droge, die aufgrund der Rechtssprechung zur systematischen Zerstörung des Lebenslaufes beiträgt. In einigen Bundesstaaten hat sich die Gesellschaft aber mit ihren Interessen durchsetzen können. In Colorado und Washington etwa ist der Besitz und Konsum von Cannabis nun legal. Die Konsumenten können sich legal etwas bei ihrem Händler des Vertrauens kaufen, aber auch selber etwa Hanfsamen kaufen und anfangen, zu züchten. So, wie die Tschechen: aber ohne Sanktionen und ohne zu einem destruktiven Schwarzmarkt beizutragen.

In Deutschland läuft derzeit nur eine stille Diskussion um das Verbot von Cannabis. Die Gesetzessprechung ist relativ liberal. In Berlin etwa darf ein Konsument bis zu 15 Gramm Cannabis besitzen, ohne Sanktionen fürchten zu müssen. Das Argument: man wolle den Gelegenheitskonsumenten nicht mehr als nötig kriminalisieren.

 

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