Thailand – Kultur, Abenteuer und Strand

Die Ankunft in Bangkok war eine der angenehmsten Überraschungen meiner Reise. Die heiße Vormittagssonne strahlte vom blauen Himmel und auf meiner Fahrt mit dem Taxi in die Stadt benutzte der Fahrer kein einziges Mal die Hupe! Eine gänzlich neue Erfahrung für mich auf dieser Reise. Überhaupt schien mir nach Delhi, dass Bangkok die sauberste Stadt der Welt sein muss. Da ich während des Fluges nicht viel geschlafen hatte, beschloss ich den heutigen Tag im Hotel bzw. in der näheren Nachbarschaft zu verbringen und die Atmosphäre der Metropole auf mich wirken zu lassen.

Tempel Thailand

Das einzig irritierende für jemanden, der sich wirklich wenig mit fernöstlicher Kultur auseinander gesetzt hat, war die Tatsache, dass an jeder Ecke Weihnachtslieder aus den Lautsprechern dröhnten und ich mich fragte, warum, auch wenn heute zufällig der 24. Dezember ist, Dean Martin sein „Let it snow“ bei 32° Celsius zum besten geben muss. Naja, Tourismus und Globalisierung machen ja bekanntermaßen auch vor kulturellen Unterschieden keinen Halt. Ich wartete gespannt aber vergebens darauf, den ersten Coca Cola Weihnachts-Truck zu sehen.

Sightseeing in Bangkok

Meinen ersten vollen Tag in Thailand verbrachte ich zur Hälfte auf einer Stadtrundfahrt mit Tempelbesichtigungen und auf einer Bootstour durch die Kanäle in Bangkok. Das typische Touristenprogramm in geführten Gruppen ist definitiv nichts für mich, aber andererseits die beste Variante um leicht die bekanntesten Sehenswürdigkeiten zu besuchen und einen schnellen Eindruck über Kultur und Denkweisen zu bekommen. Die Rundfahrt brachte mich unter anderem zum größten liegenden Buddha und dem Königstempel, der besonders durch architektonische Vielfalt und Größe beeindruckt.

Bootstour Bangkok

Die Bootstour am Nachmittag war eine sehr willkommene Abwechslung zu den sonst eher trockenen Stadtrundfahrten. Vor allem durch das außergewöhnliche „Früchtebuffet“ an Bord – auf diese Art und Weise konnte ich allerlei lokale Früchte probieren und kennen lernen und gleichzeitig die Stadt aus einem anderen Blickwinkel aus erleben.

Ich hatte über einen Facebook Eintrag eines Kollegen ein paar tolle Fotos von alten Tempelanlagen nördlich von Bangkok gesehen und wollte dort unbedingt hin. Nach kurzer Recherche fand ich den Ort und die beste Transportmöglichkeit. Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Zug nach Ayuthaya . Ich war guter Dinge und verließ mich auf meinen Reiseinstinkt, um durch den Tag zu kommen. Die Zugfahrt war sehr angenehm und interessant, da man einen kleinen Einblick in das wahre Leben der Thais bekommt. Neben Schulkindern und älteren Damen, die offensichtlich vom Einkaufen in Bangkok kamen, tummelten sich in den Wagons auch einige Familien, deren Reiseziel wohl um einiges entfernter lag als meines.

In Ayuthaya angekommen mietete ich, trotz Abraten von einigen Leuten, einen TukTuk-Fahrer, der mir in üblicher Manier schon am Bahnhof entgegen lief und mir Postkarten von Sehenswürdigkeiten zeigte und 1000%ig versicherte, dass ich bei ihm den besten Preis bekommen sollte. „Was solls!“ dachte ich, verhandelte kurz über den Preis, warf noch einen kurzen Blick in die Stadtkarte (nur um eine ungefähre Ahnung von Richtung und Entfernung zu bekommen) und gab meinem Fahrer eine Chance. Entgegen allen Geschichten, die ich über die berüchtigten zur Shopping-Tour ausartenden TukTuk Fahrten in Bangkok gehört hatte, erwies sich diese Entscheidung als goldrichtig, sodass ich im Laufe des Vormittags einige wunderschöne Tempelanlagen sicher und bequem erreichen konnte. Neben der größten goldenen Buddha-Statue besuchte ich auch die alten und teilweise verfallenen Tempelanlagen, die mein Interesse geweckt hatten.

groeste buddha statue der weltAls ich die Mittagshitze in einem kleinen Straßencafe verbrachte kam ich mit einem Kriegsveteran und der Kellnerin ins Gespräch, sodass die Zeit nur so verflog. Ich freute mich über die Unterhaltung und die offene Art der beiden. Das ist es was Reisen für mich bedeutet: Leute kennen lernen, sich unterhalten und voneinander lernen, aber auch Spaß zu haben und gewisse Risiken einzugehen!

Zurück nach Bangkok gings dann wieder mit dem Zug, der von Schulkindern geradezu belagert wurde und mich schmunzelnd an meine Schulzeit erinnerte. Offensichtlich sind Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg auf der ganzen Welt gleich laut und chaotisch (genauso wie ich eben den ganzen Bus unterhielt – damals!).

Am nächsten Tag brach ich meine Zelte in der thailändischen Metropole ab und flog nach Chiang Mai im Norden des Landes. Dummerweise hatte ich mir eine Magenverstimmung eingefangen und war nicht gerade in Unternehmerlaune, sodass ich die ersten zwei Tage in meiner Unterkunft verbrachte und nur ein paar Spaziergänge durch die zweifelsfrei sehr touristische Stadt unternahm. Nichts desto trotz ist das Flair in Chiang Mai speziell und lädt zum Verweilen ein. Speziell die vielen Straßencafes und der Nachtmarkt ließen die Zeit wie im Flug vergehen (eine Aussage, die ich im Übrigen überhaupt nicht verstehe, denn mir scheint, dass die Zeit auf einem Langstreckenflug genau gar nicht vergeht!).

Für den darauf folgenden Tag buchte ich eine Trekking-Tour in den Hügeln, die Chiang Mai umgeben. Nach einer kurzen Busfahrt startete die kleine Gruppe los zum Elefantenritt. Im Gegensatz zu den hoch touristischen „Elefanten-Taxis“ am Amber Fort in Jaipur genoss ich die Atmosphäre hier und stapfte gemeinsam mit einer deutschen Urlauberin, die in Hong Kong arbeitet, auf dem Rücken des Dickhäuters durch den Dschungel. Da es für die Elefanten keine richtige Verwendung mehr gibt, werden sie von der lokalen Bevölkerung dafür genutzt, Touristen zu beglücken, während sie von ebendiesen mit unzähligen Bananen versorgt werden. Es war wirklich ein Spaß zu sehen, wie alle halben Minuten der Rüssel nach oben kam und nach der nächsten Banane verlangte! Außerdem kommt einem schon das Lachen über die Lippen, wenn man einem Babyelefanten zusieht wie er verzweifelt versucht in einem Flussbett mit den Schritten der Mutter mitzuhalten. Zur Mittagszeit spazierten die Gruppe entlang von Reis- und Sojafeldern in den Urwald bis wir an einen kleinen Wasserfall kamen, an dem die Mittagshitze angenehm erträglich war. Wie üblich spielte ich mit meiner Kamera herum, um den Wasserfall und die kleine Lichtung möglichst authentisch in den Kasten zu bekommen. Ich könnte wohl Stunden damit verbringen, Wasserfälle, Kleintiere und sonstige Motive aus allen unterschiedlichen Blickwinkeln und mit diversen Effekten abzuknipsen…

Nach einer Stärkung in einer kleinen Spelunke am Straßenrand, in der es eindeutig besseres Essen gab, als in vielen „Restaurants“ in denen ich in Indien versuchte einem sicheren Ticket auf die Porzellanschüssel auszuweichen,  fuhren wir wieder zurück nach Chiang Mai wo ich den Abend in einem gemütlichen Straßencafe bei einem Bier ausklingen ließ.

Mein letzter voller Tag in Chiang Mai stellte sich als ziemlich anstrengend aber auch faszinierend heraus. Gleich um  sechs Uhr morgens holte mich der Kleinbus ab, um in Richtung Chiang Rai und Goldenes Dreieck am Mae Kong aufzubrechen. Auf dem Weg in den hohen thailändischen Norden, stoppte der Bus an einer heißen Quelle, aus der das Wasser in hoher Fontaine herausschoss. Der Stopp in Chiang Rai ließ mich Zeuge eines der wohl kitschigsten Bauwerke der Welt werden. Ein zeitgenössischer Künstler glaubt hier sich in einem Tempel verewigen zu müssen und gestaltete dabei eine Tempelanlage mit Sichtbeton bzw. weiß-silberner Fassade. Auch wenn die Sonne mit knappen 35 Grad auf einen herunter brennt, erinnert die gesamte Anlage spontan an den Weihnachts-Schnee-Spray, den man bei uns auf Christbäume und Fensterscheiben sprüht. Ach, wie geschmackvoll! Nächster Halt auf dieser offensichtlich auf die letzte Minute geplanten Tour war dann der Mae Kong und die Bootsfahrt auf selbigem. Der Grenzfluss zu Laos und die berühmte Opiumdrehscheibe im Dreiländereck mit Myanmar bestechen nicht besonders, allerdings machte sich bei mir das Gefühl breit wieder hierher zurückkehren zu müssen und tiefer in die Kulturen von Laos, Kambodscha und Vietnam vorzudringen. Das ist wieder typisch für mich; gerade einmal ein paar Wochen von zu Hause weg und noch lange nicht wieder zurück im kalten und überregulierten Mitteleuropa und bereits die nächsten Reisen geistig geplant… Ich muss über mich selbst schmunzeln! Nach einer kurzen Pause am Grenzübergang zu Myanmar, dem nördlichsten Punkt Thailands. hielten wir noch in einem Dorf der Longnecks. Da ich zu diesem Zeitpunkt heftige Diskussionen am Handy mit dem Reisebüro in Chiang Mai bezüglich meiner Weiterreise in den Süden Thailands führte, blieb ich etwas zurück von der Gruppe. Als ich damit fertig war und mich darüber freute, dass ich tatsächlich noch eine Unterkunft auf der winzigen Insel Koh Lipe ergattern konnte, kam ein kleines Mädchen auf mich zu und schenkte mir eine Blume vom Wegrand – welch nette Geste dachte ich und lächelte freundlich zurück. Meine Freude währte allerdings nur kurz, als mich ein deutsches Pärchen darauf aufmerksam machte, dass die Kleine jetzt mindestens zehn Baht dafür haben möchte. Ich war schockiert, dass hier die Kleinsten schon darauf abgerichtet werden, ihr Lächeln für Geld einzusetzen. Widerwillig drückte ich ihr die Münze in die Hand und dachte darüber nach, wie die Welt in anderen Teilen der Welt funktioniert und wohin sich das ganze entwickeln wird. Diesen Gedanken noch gar nicht aus dem Kopf gelangte ich zu einer Ansammlung von Marktständen – die Sonne ging bereits hinter den Hügeln unter. Der vorherige Schock war sofort vergessen und wich purer Entrüstung, als ich bemerkte, dass das „Longneck“-Dorf in Wahrheit nur ein paar Stände waren, an denen diverse Handwerksartikel vermarktet wurden und zwischendrin ein paar Mädchen – höchstens 15 Jahre alt – posierten (na ja, weniger posierten als einfach nur frustriert da saßen) und ihre Langhälse inklusive der entsprechenden Halsverlängerungswerkzeuge (Metallringe, die von Zeit zu Zeit erweitert werden) präsentierten. Ich fühlte mich, wie der Besucher eines Zoos mit menschlichen Schaustücken und verließ den Ort, um beim Bus zu warten. Als man mir nachher noch erklärte, dass die einst traditionelle Halsverlängerung heute nicht mehr praktiziert würde, sondern ausschließlich für touristische Zwecke an den hübschesten Mädchen im Dorf vollzogen wird, konnte ich meinen Unmut darüber nicht mehr zurück halten und leitete diesen auch an das entsprechende Tour-Büro weiter (wo man im Übrigen auch überraschend viel Verständnis zeigte… – ich bezweifle dennoch, dass sich etwas ändern wird).

Einen halben Tag verbrachte ich damit, von Chiang Mai über Bangkok nach Hat Yai im Süden Thailands zu fliegen und in einer kleinen Herberge in der Nähe des Fährenpiers in Richtung Koh Lipe unterzukommen. Es war dunkel, aber noch immer heiß und extrem schwül. Die Ameisen belagerten die gesamte Terrasse, auf der ich noch einen Whiskey zu mir nahm. Morgen geht’s auf die Trauminsel (zumindest laut Lonely Planet!).

Die schönste Insel der Welt

Die zweistündige Fahrt auf dem Schnellboot ließ schon erahnen wie sich die Inselgruppen westlich von Koh Tarutao präsentieren würden. Türkises Wasser, immergrüne, dicht bewachsene Eilande und Korallengärten unter der Wasseroberfläche. Das schien mir der perfekte Ort, um den Jahreswechsel zu verbringen, ein wenig tauchen zu gehen und die Seele baumeln zu lassen…

schoenste insel der welt

Die Ankunft überraschte mich nicht wenig: während ich mit den anderen Passagieren auf einer Plattform in der Bucht darauf wartete, auf ein Longtail-Boot umzusteigen, stellte ich bereits fest, dass aus den wenigen im Reiseführer erwähnten Strandbars und Hotels bereits deutlich mehr geworden sein mussten. Bei Ankunft am Strand zeigte sich dann weiters, dass das hier offensichtlich der bekannteste „Geheimtipp“ der Welt sein muss, da es vor lauter Menschen hier geradezu wimmelte. Ich war dankbar überhaupt eine Unterkunft gefunden zu haben und checkte im größten Hotel auf der Insel ein, das auch gut an die Adria oder die bekannten Hotspots in der Türkei oder Ägypten erinnert hat – von geregeltem Ökotourismus oder Nachhaltigkeit hat man hier offensichtlich noch nie gehört… Naja, nichts desto trotz sah ich meinem Aufenthalt hier freudig entgegen und konnte es nicht mehr abwarten ins Wasser zu kommen. Beim Spaziergang über die Insel (auf der es weder Autos noch Straßen gibt, d.h. die WIRKLICH winzig ist) zeigte sich bald, dass offensichtlich seit der Tsunamikatastrophe alles daran gesetzt wurde die Insel zu zivilisieren und mit hunderten Touristenshops, und Bars zu übersähen. Das unter französischer Leitung stehende Tauchzentrum war schon seit Jahren hier und sollte für die nächsten Tage mein bevorzugter Platz werden, um Leute kennen zu lernen und gemütlich bei einem Bier über das zwanglose und entspannte Leben auf einer kleinen Insel nachzudenken.

Die Tauchgänge in den darauf folgenden Tagen zeichneten sich nicht durch besondere Fischvielfalt aus, hatten aber durchaus prächtige Weichkorallenvielfalt und Dank starken Strömungen auch einiges an Action zu bieten; die Purzelbäume der gesamten Tauchgruppe im „Expressway“ (der Name ist Programm) sorgten für spontanes Lachen unter Wasser. Wie gesagt, außer nach ein paar Tauchgängen und ausgiebigem Faulenzen war mir hier nicht zu Mute – wozu auch, wenn man feststellt, dass man nicht mehr braucht zum Leben, als etwas zu essen, zu trinken und einem gelegentlichem Bad im Meer…das Leben kann so einfach sein!

Nachdem ich den Jahreswechsel auf Koh Lipe gut überstanden hatte, trat ich meine Weiterreise nach Hong Kong an, was mich wieder einiges an Zeit kostete, dafür aber meiner Vorfreude neue Höhen verlieh. Schon seit ich 16 Jahre alt war, träumte ich, inspiriert durch die Reiseberichte eines Bekannten, davon, einmal in die fernöstliche Metropole zu kommen.

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