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Westaustralien Blog

Andre SchmidMein reisebloggender Freund Andi ist derzeit in Australien unterwegs. Sein Geschreibsel ist wie immer sehr unterhaltsam und seine Fotos wirklich toll. Schaut mal rein, auch wenn ihr keine Reise ans andere Ende der Welt plant sicher eine lohnende Arbeitsunterbrechung. Zum Blog

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Australien – Up and Down in Down Under

Der Flug von Hong Kong nach Brisbane verlief mal wieder erwartungsgemäß.  Letzte Reihe, eingeklemmt zwischen zwei australischen Muskelprotzen und Schlaf gleich null. Nach meiner Ankunft machte ich mich gleich auf die verzweifelte Suche nach meiner Camper Van Vermietung, bei der ich für die nächsten zwei-ein-halb Wochen meine mobile Unterkunft reserviert hatte. Verzweifelt deshalb, weil niemand im Büro war und ich mitten im Industriegebiet von Brisbane saß und mich darauf verlassen musste, dass die Zentrale in Sydney einen Verantwortlichen in den nächsten zwanzig Minuten schicken würde, der das Büro öffnet und mir meinen Van aushändigt (netterweise ließ mich der Taxifahrer sein Handy benutzen – endlich mal eine positive Taxifahrer-Erfahrung… Das würde einem in Indien wohl eher nicht passieren; zumindest nicht kostenlos).

Kueste Australien

Kurz und gut, nach einer dreiviertel Stunde hatte ich meinen Van und brach Richtung Norden auf, um am frühen Abend irgendwo neben der Straße meine in einer Tankstelle gekauften Sandwichs zu verdrücken und mich geistig auf zweieinhalb Wochen campen einzustellen. Um ehrlich zu sein, ich bin kein Camping-Fan und der Grund für meinen Versuch in Australien bzw. später dann in Neuseeland diese Art des Reisens zu erfahren lag vorwiegend daran, dass ich es für eine verhältnismäßig unabhängige Methode hielt und nebenbei vielleicht auch meine Berührungsängste zu Freiluftnächtigungen und Tankstellen-WCs ablegen könnte (was mir im übrigen auch gelungen ist…).

Von Hervey Bar nach Fraser Island

Mein erster Stopp war Hervey Bay. Der Ausgangspunkt nach Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt und Weltkulturerbe (von denen es im Übrigen eine ganze Menge in Australien gibt). Nachdem ich mich halbwegs organisiert hatte und, basierend auf Berichten von befreundeten Campingexperten, ein paar Dinge für das Überleben in der freien Wildbahn (okay ich übertreibe, auf Autobahnraststätten und Campingplätzen) eingekauft hatte, begab ich mich in die nächst beste Bar wo ich auch gleich mit ein paar Leuten inklusive einer Salzburgerin ins Gespräch kam. Dummerweise wurde es wieder ziemlich spät bis ich ins Bett kam, sodass mir nur drei Stunden Schlaf blieben bis mich der Bus zur Fähre nach Fraser Island abholte. Die frische Luft an Bord tat gut, die Busfahrt über die Sanddünen weniger… Nichts desto trotz verflog das mulmige Gefühl beim ersten Spaziergang durch den Regenwald durch die entspannende Atmosphäre in Mitten von kleinen Bächen, Baumriesen und australischem Wildleben. Die Insel ist durchzogen von zahlreichen kleinen Sandpisten auf denen sich der Bus überraschend zügig fortbewegt. Um allerdings lange Strecken in angemessener Zeit zu bewältigen muss man schon den „Highway“ nehmen. Nachdem sich am Strand sowieso niemand aufhält, weil Hitze und Sonneneinstrahlung zu stark sind, das Vergnügen im Meerwasser schnell getrübt werden kann durch Haie und lebensbedrohliche Quallen und der Wind einem den Sand in die entlegensten Körperöffnungen treibt, gilt auf ebendiesem 120km langen Strand Tempolimit 80. Somit erreicht man auch die Champaign Pools, ein Schiffswrack und den kleinen „Flughafen“ am Strand innerhalb kürzester Zeit. Die wahren „aha´s“ und „oh´s“ kommen einem allerdings erst über die Lippen, wenn man vor einem der zahlreichen Süßwasserseen steht und in Mitten von Urwaldvegetation in das klarste Wasser blickt, das man sich vorstellen kann.

Australien Strand

Die Übernachtung im geschützten Camp verging schnell. Am Vormittag des zweiten Tages besuchten wir spektakuläre Sanddünen und Felsnasen bevor die Fähre auf das Festland übersetzte. Die Fahrt im Van verlief unspektakulär – auch wenn der mangelhafte Zustand meiner Bremsen für gelegentlichen Nervenkitzel sorgte – sodass ich am Abend irgendwo entlang des Highways meine Vorhänge zuzog und einschlief. Erst am Ende meines Australienaufenthaltes sollte ich erfahren, dass das Campieren neben der Straße entgegen landläufiger Meinung nicht erlaubt ist.

Airlie Beach: Der Ballermann Australiens

Meine nächste Destination war Airlie Beach. Der Ausgangspunkt zu den Whitsunday Islands und dem südlichen Great Barrier Reef. Nach meiner Ankunft stellte ich fest, dass dieser Ort das ganze Gegenteil eines ruhigen Küstenstädtchens ist sondern in Wirklichkeit der Begriff Ballermann eher zutrifft und zahlreiche Backpacker, Kneipen und Jugendherbergen das nötige unternehmen, dieses Image auch weiterhin zu halten – kurz gesagt, Party-Zone schlechthin, aber mit Sicherheit keine Destination für Familien- oder Pärchenurlaube. Ich buchte mich auf einem dreitägigen Segelturn zum äußeren Riff ein und versuchte mich auf die laute Partyatmosphäre einzustimmen – mit mehr oder weniger großem Erfolg, schließlich war ich das Feiern und Festen nicht mehr gerade gewohnt…

Während ich am Pier darauf wartete das Boot zu boarden, kamen reihenweise 18-19 jährige Aussies mit Paletten von Bier anspaziert und ich befürchtete, dass die drei Tage auf dem Boot zu einem Martyrium werden, das vor allem durch Trinkspiele und das Über-Bord-Gehen von vorangegangenen Hauptmahlzeiten geprägt sein würde. Zu meinem Glück stellte sich jedoch heraus, dass diese fidelen Kumpanen auf andere Boote gingen und die Leute auf meinem Cruise genauso wie ich einen eher entspannteren und ruhigeren Ausflug planten (bei dem Spaß und Bier dennoch nicht fehlten).

Die modifizierte 25 Meter lange Sportsegeljacht konnte auf Grund eines Defekts am Motor nur verspätet ablegen und unser Captain beichtete uns vor dem Segel hissen, dass einige Techniker am nächsten Morgen noch einmal an Bord kommen würden, um das Problem zu beheben. Die Stimmung an Bord war dennoch hervorragend und kurz nach dem Auslaufen setzten wir zum ersten Mal die Segel. Das ist vielleicht harte Arbeit so ein Segel in 27 Meter Höhe zu ziehen. Ich fragte mich, warum das im Fernsehen bei diversen America´s Cup und Volvo Ocean Race Übertragungen immer so leicht aussah. Wenn man dann aber plötzlich spürt wie der Wind das Boot durch das Wasser zieht, dich das Deck in einen steilen Winkel zum Horizont legt und der Motor abgeschaltet wird, vergisst man die Ansätze des akut aufgetretenen Muskelkaters vom Segelsetzen.

segeln in australien

Der nächste Tag startete leider mit einer schlechten Nachricht: da der Motor nicht repariert werden konnte, war es uns nicht möglich an das äußere Riff zu fahren, was zweifelsfrei für eine Portion Frust an Bord sorgte. Trotzdem versuchte die Crew ihr bestes, um alle bei Laune zu halten und versprach uns einige Traumspots in der Inselregion. Dazu gehörten auch ein paar Landgänge und ein paar Tauchgänge. Alles in allem waren die drei Tage an Bord der „Spank Me“ (keine Ahnung wie man sich so einen Namen für ein Boot einfallen lassen kann) eine einzigartige Erfahrung, die einerseits mein Interesse fürs Segeln geweckt hat und mich andererseits einige tolle Menschen aus aller Herren Länder kennen lernen ließ.

Zurück an Land startete ich zusammen mit einem Schweizer und einem Bayern in Richtung Townsville weiter, wo wir uns am Abend auch wieder mit ein paar Italienern zum Grillen am Strand verabredeten. Townsville selbst würde man nicht in Australien vermuten, wenn man es sieht, da Architektur und Straßenleben meiner Meinung nach äußerst untypisch sind zu allem, was ich vorher in Australien erlebt hatte. Am Morgen besuchten wir noch das Reef Headquarter Aquarium und das Schildkröten-Hospital. Wenigstens konnte ich hier ein paar Riffeindrücke sammeln, wenn auch nur hinter zentimeterdickem Panzerglas.

Die 700km nach Cairns hätten nicht langweiliger sein können. Die schnurgerade Straße führt „brettleben“ durch Wälder, Aussicht gibt’s praktisch keine und besondere Sehenswürdigkeiten liegen auch nicht am Weg. Ich war dankbar für die Unterhaltung mit meinen beiden Weggefährten. In Cairns angekommen, ereilte uns die nächste nicht gerade berauschende Nachricht, dass ein Wirbelsturm im Anmarsch sei und wir im allerschlimmsten Fall die Stadt nicht mehr verlassen könnten (schließlich musste ich ja meinen Van in Cairns wieder abgeben, um dann nach Sydney weiter zu fliegen). Ich hatte Glück und konnte dennoch abfliegen, auch wenn die zwei Tage in Cairns ausschließlich von heftigem Regen geprägt waren.

Sydney und eine australische Erkenntnis

Gleich am ersten Morgen stand natürlich ein Spaziergang zum Hafen auf dem Programm, um die weltberühmte Oper und die Hafenbrücke zu besichtigen. Der Weg von meiner Jugendherberge zum Hafen verlief entlang der bekannten George Street, wo sich Wolkenkratzer und alte viktorianische Stadthäuser im Einklang abwechseln. Der Blick über den Hafen raubte mir den Atem. Nicht zu letzt auch deshalb, weil man das Opernhaus nur von Bildern kennt und jetzt plötzlich davor steht und genau die gleich Perspektive hat. Bei genauerem Hinsehen muss ich jedoch sagen, dass die Oper nur von weitem durch ihre eigenwillige Architektur begeistert – aus der Nähe ist sie meiner Ansicht nach nur ein Betonbau, der beinahe schon 70er Romantik ausstrahlt. Den Weg auf die Hafenbrücke sparte ich mir und verbrachte den Nachmittag im nahe gelegenen Park. Ich hatte gemischte Gefühle über meinen Australienaufenthalt und fragte mich, ähnlich wie die meisten Europäer mit denen ich im Laufe der letzten Wochen gesprochen hatte, was dafür der Grund war. Alles Gesehene war zweifelsfrei schön und interessant, dennoch hatte ich nicht das Gefühl absolute Einzigartigkeit erlebt zu haben. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch geschraubt. Außerdem musste ich feststellen, dass die klischeehafte Beschreibung der typisch australischen Mentalität von Entspanntheit und Easy-Going nur selten zutraf. Stattdessen hatte ich das Gefühl, durch diverse Sicherheitshinweise in allen möglichen und unmöglichen Situationen, in den USA gelandet zu sein (natürlich mit unschwer erkennbarem britischen Einfluss), wo jeder Angst hat, dass er bei nicht entsprechender Warnung und Panikmache gleich verklagt würde.

Oper in sidney

Der Ausflug in die Blue Mountains brachte mir letztlich ein versöhnliches Ende mit Australien. Im Minibus genoss ich die Aussicht über die Stadt, während sich dieser die kurvige Straße auf das Hoch Plateau der Blue Mountains hinaufschlängelte. Zum ersten Mal bekam ich Kängurus und Kakadus zu Gesicht und erfreute mich an der fast schon alpinen Aussicht über die Canyonlandschaft. Stopps an Wasserfällen, den „Three Sisters“ – einer dreitürmigen Felsformation – und einem Regenwalderlebnispark machten den Tag wirklich interessant und abwechslungsreich. Nach der Fahrt mit der steilsten Standseilbahn der Welt (die ist wirklich verdammt steil!) hinunter in den Canyon machte der Regenwald seinem Namen alle Ehre und es kübelte aus den Gewitterwolken was das Zeug hielt. Dank guter Ausrüstung konnte ich dieses Spektakel richtig genießen und wurde zugleich auch noch Zeuge davon, wie zwei neue Wasserfälle entstanden und laut über die Klippe donnerten.

An meinem letzten Tag in Australien hatte ich das Glück den Australia Day miterleben zu können. Tausende, wenn nicht sogar Millionen Menschen tummelten sich den ganzen Tag über am Hafen, die ganze Stadt war in den Nationalfarben Grün-Gelb bzw. mit Australienflaggen geschmückt, im Hafen fanden die berühmten Bootsrennen statt und über der Harbor Bridge (die ich an diesem Tag dann endlich auch bestieg) zog eine Quantas 747 ihre Runden. Alles in allem, war die ganze Stadt eine einzige entspannte Partymeile und bot tausende Möglichkeiten, Konzerten und Aufführungen von Künstlern seine Aufmerksamkeit zu schenken. Das alles steht jedoch im Hintergrund, wenn man sich das traditionelle Feuerwerk am Abend reinzieht… So etwas hab ich noch nie gesehen! Über eine halbe Stunde lang steigert sich das mit Licht- und Sound-Effekten untermalene Riesenfeuerwerk bis letztlich die Raketen von den umliegenden Wolkenkratzern abgefeuert werden. Es war ein schöner Ausklang meines Aufenthaltes in Down-Under. Nichts desto weniger war die Vorfreude auf meine nächste Destination schon so groß, dass ich am nächsten Morgen gern zum Flughafen fuhr, um in Richtung Christchurch einzuchecken.

Hier geht´s zur Übersicht über die Reiseberichte von Lukas‘ Weltreise

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