Argentinien – Busfahrt auf südamerikanisch

Wenn mir vor einem halben Jahr irgendjemand geraten hätte, Südamerika am besten mit dem Bus zu erkunden, hätte ich ihm wahrscheinlich den Vogel gezeigt. Spätestens jetzt erkannte ich allerdings, dass es hier keine bessere Form der Fortbewegung geben kann. Exklusive Luxusliner teilweise mit richtigen Betten ausgestattet, Bordservice und Entertainment machen eine derartige Reise zum echten Erlebnis.

Anden in Argentinien

Auf dem Weg aus Santiago de Chile sahen wir noch einiges an Zerstörung an Brücken und Gebäuden. Dann ging es die kurvige Straße hinauf in die Anden und zum Pass beziehungsweise  dem Grenzübergang nach Argentinien. Beeindruckt durch die farbenprächtigen Felskolosse und die in der Ferne glänzenden Gletscher verbrachte der ganze Bus etwa drei Stunden an der Grenze, bevor es wieder hinunter und weiter durch die Pampas ging. Ankunft in Buenos Aires gegen 11 Uhr Vormittag am nächsten Tag.

Doch etwas gerädert durch die lange Fahrt war meine Motivation für Sightseeing Touren gering. Meine verbliebene Reisegefährtin und ich verbrachten den restlichen Tag am Plaza Dorrego und beobachteten die Tangopaare bei ihren regelmäßigen Auftritten. Die nächsten Tage in Buenos Aires waren von mehr oder weniger anstrengenden Fußmärschen durch die Stadt und ein paar Sightseeing Höhepunkten geprägt, inklusive dem Fußballspiel River Plate gegen San Lorenzo. Das Spiel war leider nicht der Brüller, dafür war der Gesamteindruck von den Fans in einem südamerikanischen Stadion umso amüsanter und lauter.

Nach Monaten der Trennung war es dann schließlich soweit, dass ich am Sonntagabend meine Eltern und meine Freundin vom Flughafen abholen und in die Arme schließen konnte.

kueste in argentinien

Die Wiedersehensfreude konnten wir nicht lange genießen, da es schon am nächsten Morgen nach heftigem Streit mir Aerolineas Argentinas,  zweifelsfrei die schlechteste Fluglinie mit der ich je geflogen bin und ich schließe hier Air Zimbabwe ein, doch noch mit etwas Verspätung in die südlichste Stadt der Welt ging. Wir quartierten uns in einer kuscheligen Holzhütte ein und versuchten uns am Ofen aufzuwärmen, da sich das Wetter nicht gerade von seiner besten Seite zeigte. Auf meiner Reise machte ich nicht gerade viel Erfahrung mit Temperaturen zwischen 5 und 8 Grad, Wind und Regen in all seinen Varianten. Dennoch war der Tagesausflug am nächsten Tag ein voller Erfolg. Mit dem Mietwagen fuhren wir gemeinsam Richtung Norden, wo sich ein paar einsame Ortschaften zwischen Seen und Berghänge ein hartes Leben erwirtschaften. In den darauf folgenden Tagen besuchten wir den Nationalpark Feuerland, spazierten unzählige Male durch das kleine Städtchen Ushuaia und ließen die Abende feuchtfröhlich bei ausgezeichnetem Essen und Tequilla ausklingen.

argentinien haus boot

Am Tag der Abreise meiner Eltern in Richtung Antarktis bestiegen meine Freundin und ich auch noch ein Boot. Zwar unvergleichbar kleiner und schlechter ausgestattet, aber ein riesen Spaß. Die halbtägige Tour führte uns zum Wahrzeichen von Feuerland – dem Leuchtturm im Beagle Canal, einer Robben- und Kormoran-Kolonie und einer weiteren kleinen unbewohnten Insel, die hervorragenden Blick auf Ushuaia und Berge ringsherum bot. Sowohl Wetter als auch Landschaft riefen einige Erinnerungen an die Heimat wach, sodass wir dem Gebirgskamm nördlich von Ushuaia auch bald als die südlichste Nordkette der Welt bezeichneten.

Auf Grund unserer typisch verplanten und chaotischen Art verpeilten wir natürlich uns früh genug für einen Trip zur nächstgelegenen Pinguinkolonie anzumelden. Dafür kompensierten die schillernden Reiseberichte meiner Eltern mit Pinguin- und Eisbergfotos nach unserer gemeinsamen Rückkehr nach Europa alles. Außerdem gibt es so einen guten Grund irgendwann wieder hier her zurück zu kehren.

Wir verließen Ushuaia am Tag nach meinen Eltern – allerdings in Richtung Norden. Nach einer weitern Übernachtung in Buenos Aires starteten wir zur letzten Destination auf meinem Round-the-World-Trip: Rio de Janeiro, Brasilien.

Ach ja, Aerolineas zeigte sich wie gewohnt und es brachte uns zum Schmunzeln, als wir feststellten, dass Unfreundlichkeit und Einheitshaarschnitt wohl zu den Einstellungskriterien beim Flugpersonal gehören. Außerdem gibt an dieser Stelle einen wertvollen Tipp für Ryan-Air und Co bzw. alle, die planen, selbst eine Fluglinie zu gründen: einfach nach der Hälfte der Flugstrecke den Captain anweisen das „Fasten Seat Belt Sign“ einzuschalten (unabhängig davon ob es Turbulenzen gibt) und darauf bestehen, dass alle auf ihren Plätzen sitzen bleiben. Auf diese Art und Weise vermeidet man als Fluglinie etwaige Extragetränke ausgeben zu müssen oder etwa gar dem Flugpersonal beim Lesen spannender Klatschlektüre die intellektuelle Betätigung zu rauben.

Hier geht´s zur Übersicht über die Reiseberichte von Lukas‘ Weltreise