Online Buchung – Quelle allen Übels?

Man ist von der WKÖ viel gewohnt. Das was aber gestern in der OTS Pressemeldung der Wirtschaftskammer zu lesen war, lässt mich bei aller Schmerztoleranz den Kopf schütteln. Edward Gordon, Fachverbandsobmann der Reisebüros in der Wirtschaftskammer ließ folgenden Satz verlauten: „Nur wer direkt über ein Reisebüro bucht, hat einen Ansprechpartner und damit die Sicherheit auf einen sorgenfreien Urlaub.“

Mediale Verteufelung von Online Reisebuchungen nach Anleitung der WKÖ

Nun fragt man sich doch: ist Herr Gordon der Vertreter aller Reisebüros oder nur der stationären Reisebüros? Weiter kommt die Frage auf ob Online Reisebüros keine Reisebüros sind? Wenn nein, was sind sie dann? Wenn ja, warum kann es sich der Fachvorstand leisten so gegen die eigenen Schäflein zu wettern?

Vorgestern stand auf der Titelseite der Krone zu lesen, dass es meist nach Internetbuchungen zu Beschwerden kommt weil der Bagger im Urlaubsort so laut war. Wenn ich also im Internet ein Hotel buche und in der Nähe gibt es eine Baustelle, wäre die Baustelle nicht da hätte ich in einem Reisebüro gebucht oder würde mich die Baustelle dann nicht stören? Wenn ich online bei TUI, Neckermann oder Thomas Cook buche, habe ich dann eine andere Reiseleitung als wenn ich im Reisebüro über TUI, Neckermann und Thomas Cook buche?

Warum diese Panikmache gegen Online Reisebüros? Dass das Revolverblatt Krone das Thema medial in gewohnt löchrig – informativer Art ausschlachtet überrascht mich nicht. Dass aber die WKÖ auf diesem populistischen Niveau den Online Vertrieb von Reisen verteufelt, lässt einem die Galle hochkommen.

Wer nach dem ersten Satz in der Pressemeldung im Text weitergeht, findet eine Relativierung vor. So sind „natürlich“ die meisten Reiseveranstalter auch im Internet vertreten. Aha! Und zu Problemen kommt es nur wenn der Kunde sich die Angebote selbst zusammenstöpselt. Nochmals Aha! Am Ende ist dann zu lesen dass es keineswegs darum geht das Internet zu verteufeln. Was nun? Internet böse oder Internet nicht böse?

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Die Tatsachen sind:

  • Wer eine Pauschalreise online bucht, hat exakt die selben Rechte wie ein Kunde der im Reisebüro eine Pauschalreise bucht. Der Reiseveranstalter, der für den Kunden die Verantwortung übernimmt, macht hier keinen Unterschied.
  • Wer sich Einzelleistungen online bucht, muss sich an den jeweiligen Leistungsträger wenden sollte es Probleme geben. Wer sich in einem Reisebüro Einzelleistungen bucht, muss sich, außer das Reisebüro bündelt die Leistungen zu einem Package und tritt somit als Veranstalter auf, im Normalfall ebenfalls an die Regeln des Leistungsträgers halten. Das heißt, hätte ich einen Flug über ein Reisebüro während der Aschewolkenzeit gebucht, wäre ich genau gleich in der Patsche gesessen wie bei Buchung des selben Fluges über ein Online Portal.
  • Online Reisebüros sind Reisebüros. Wer glaubt, hier geht alles automatisch von sich ohne dass Menschen die Buchung bearbeiten, täuscht sich. Auch sind alle Online Reisebüros für den Kunden zu erreichen. Wer eine Pauschalreise online bucht, bekommt den Service vom Veranstalter in der gleichen Form, egal ob vor Ort oder nach Rückkehr, den ein Kunde erhält der im Reisebüro bucht.

Der einzelne Mitarbeiter ist das Kapital des Reisebüros

Was für Reisebüros spricht, ist der Mitarbeiter an und für sich: gute Tipps, Erfahrungen und eine Ansprechperson der man Face to Face gegenübersitzt. Hexen kann im Problemfall aber auch der beste Expedient nicht. Wer diesen Service, den sich viele Reisebüros übrigens mit einer Buchungsgebühr abgelten lassen, schätzt, soll auch weiterhin im Reisebüro seines Vertrauens buchen. Wer lieber online bucht, möge diesen Weg wählen.

Auf keinen Fall kann es aber sein, dass die WKÖ mit Halbwahrheiten die von Medien wie der Krone natürlich dankbar aufgegriffen werden, den Kunden verunsichert und das Internet als Quelle aller Beschwerden hinstellt. Eine fundierte Pressemeldung schaut definitiv anders aus!