Neuseeland – All In One

Nach einem kurzen Spaziergang durch Christchurch ließ ich mich in einer kleinen Bar nieder, um eine ungefähre Route zur Erkundung der beiden Inseln zu finden und einfach ein wenig Flair der Stadt zu genießen. Es dauerte nicht lange bis ich mit ein paar Kiwis ins Gespräch kam, die mir letztlich über den ganzen Abend hinweg Reisetipps und Empfehlungen für meine Neuseeland Erkundung gaben. Ich freute mich über die angenehme Gesellschaft und die auffallend offene und herzliche Art der drei IT-Spezialisten und hatte auf Anhieb einen sehr sympathischen Eindruck von Land und Leuten.

Zipfer Bier in Neuseeland

Nachdem ich am nächsten Morgen meinen Van abgeholt hatte, startete ich in Richtung Süden los, um einfach einmal drauf los zu fahren und zu sehen wohin mich die Straße führt. Entlang von Obst- und Gemüsefeldern zeigten sich bereits im Landesinneren sanfte Hügelketten, in deren Richtung ich nach einiger Zeit abbog. Die Landschaft Neuseelands hier erinnert stark an Schottland oder Irland – Schafherden und die saftigen grünen Hügel wirken wie ein Postkartenmotiv (auch wenn ich gestehen muss noch nie in Schottland oder Irland gewesen zu sein…). Ich übernachtete in einem kleinen Nest entlang meiner am Abend vorher grob ausgearbeiteten Route und trank den zu meiner Überraschung im Supermarkt gefundenen Gruß aus der Heimat – Zipfer Bier!

Die Strecke am nächsten Morgen schlängelte sich zuerst kurvig durch die Hügel und obwohl das Wetter nicht gerade berauschend war strahlte mir die Sonne aus dem Gesicht. Beim Stopp am Lake Tekapo besichtigte ich das Observatorium und die kleine Schäferkapelle. Erst als ich weiter fuhr öffnete sich die Wolkendecke, sodass ich bei Ankunft am Lake Pukaki in traumhaft türkises Wasser blickte und in einiger Entfernung dahinter die Gletscher weiß auf mich herab blickten. Ich blieb alle paar Kilometer stehen, um die sich in Farbe und Sonnenlicht abwechselnde Gebirgslandschaft zu fotografieren und zog im Geiste immer wieder Vergleiche mit unseren Tiroler Gletschergebieten. Spontan entschloss ich mich die 70 Kilometer nach Aoraki bzw. Mount Cook Village zu fahren, um einen besseren Blick auf die Gletscher zu bekommen und wurde mit atemberaubenden Eindrücken auf die Seracks von Mount Cook (dem höchsten Berg Neuseelands mit 3754 Metern) belohnt. Es war erst mein zweiter Tag hier und ich war schon so begeistert, dass es für mich eindeutig schon jetzt das Highlight meiner bisherigen Reise darstellte. Ich steuerte meinen Van wieder Richtung Süden, legte hin und wieder einen Stopp zur Kaffeepause ein und stellte fest, dass das Fahren auf Neuseeländischen Straßen nicht zu vergleichen ist mit Australien – hier gab es abwechslungsreiche Bergstraßen, aufregende Landschaftseindrücke und menschenleere Gebiete zu bewundern (na gut, die hat man in Australien auch zur Genüge).

Ich beschloss meine Fahrt bis Cromwell fortzusetzen, um dort zu übernachten. Was nach einer kurzen Fahrt auf der Straßenkarte aussah, stellte sich bald als kurvige und spritfressende Passstraße heraus, sodass ich auf den letzten Kilometern vor Cromwell (basierend auf meiner Einschätzung und nicht etwa eines Navigationssystems oder einer exakten Karte) zittern musste, noch genügen Sprit im Tank zu haben. Ich glaube, in meinem ganzen Leben werde ich nie wieder in die Situation kommen, dass ich in einen 60 Liter Tank 59,5 Liter tanken werde. Nervenkitzel pur und eine wertvolle Lektion für alle weiteren Fahrten in Neuseeland – hier gibt es nicht an jeder Ecke eine Tankstelle!!!

Gebirge in Neuseeland

Das Ziel meiner nächsten Tagesetappe war Queenstown, das malerisch am Lake Wakatipu an den Berghängen liegt. Die Stadt selbst ist ein Hotspot für alle fanatischen Outdoor- und Adventuresuchenden und bietet neben Bungeejumping, Paragliding, Skydiving und sonstigen Adrenalinkicks auch wunderschöne Bergwanderungen und Entspannungsmöglichkeiten rund um den See. Da ich bereits zu Mittag in der Stadt war, beschloss ich dem See entlang noch nach Glenorchy zu fahren. Hier tat sich mir eine wahre Prachtaussicht auf die Gletscher auf, während der Fahrspaß auf der kurvigen Uferstraße ein Lächeln in mein Gesicht brachte. Die Strecke erinnerte mich immer wieder an den Chapman´s Peak Drive in Süd Afrika (von Kapstadt zum Kap der guten Hoffnung). Beim Flanieren durch den Ortskern am nächsten Tag verbrachte ich die meiste Zeit am Ufer und im Park – gelegentlich unterbrochen durch Kaffee und Speisepausen, inklusive dem im Reiseführer hoch gelobten Ferg-Burger.

Die Strecke zum Milford Sound stand am Programm des nächsten Tages und gestaltete sich genauso abwechslungsreich wie alle bisher zurückgelegten Straßenkilometer – speziell der Weg von Te Anau, wo ich meine Mittagspause einlegte, bis nach Milford Sound entpuppte sich als Hochgebirgsstraße von Felswänden umgeben und mit Sicht auf diverse Wasserfälle. Ich erreichte das Fjord erst am frühen Abend, als die untergehende Sonne aus dem aufsteigenden Dampf einen mystischen Schleier machte und musste feststellen, dass es keine freien Plätze mehr in der einzigen Unterkunft gab. Da ich für eine Fahrt zurück nach Te Anau nicht mehr genügend Sprit haben werde (ja, auch ich lerne aus Fehlern), beschloss ich, die Nacht unter freiem Himmel irgendwo an der Straße zu verbringen. Es dauerte nicht lange, bis sich mir zwei junge Israelis anschlossen, sodass wir schließlich zu dritt bei Tee und Sandwiches unter klarem Sternenhimmel den Abend verbrachten.

See in Neuseeland

Ich war rechtzeitig am Pier, um ein Ticket für die erste Bootsfahrt zu kaufen. Nach dem Auslaufen aus dem kleinen Hafen zeigte das Tiefenradar einen steilen Abhang ab innerhalb, von ein paar Metern vorwärts erreichte die Tiefe mehr als 70 Meter. Was sich unter der Wasseroberfläche abspielte, konnte ich nur erahnen. Was man jedoch über der Wasseroberfläche zu sehen bekam ließ mich mindestens genauso staunen. Die Felswände des Fjords fallen von 1700 Metern steil ins Wasser ab, der vermeintlich kleine Wasserfall hat eine stolze Höhe von 155 Metern und weit darüber blitzen die Gletscher im Morgenlicht. Eine kleine Robbenkolonie ließ sich durch den Bootsverkehr nicht beeindrucken und den Tauchern war schon auf Entfernung anzusehen, dass sie dankbar um ihre Trockenanzüge waren. Die Bootsfahrt dauerte rund zwei Stunden und hat sich mehr als gelohnt. Das steile Tal vom Wasser aus zu bewundern stellte einen vollkommen neuen Eindruck für mich dar. Außerdem hatte ich wohl großes Wetterglück, da sich normalerweise die Wolken tief in das Fjord hängen und bestenfalls kurze Blicke auf die umgebenden Bergspitzen zulassen. Guter Dinge trat ich den Retourweg nach Queenstown an. Ich beschloss eine weitere Nacht dort zu verbringen, weil Flair und Lage optimal waren und es genügend Möglichkeiten gab, am Abend auszugehen.

Den nächsten Tag verbrachte ich fast zur Gänze im Auto, was jedoch in keinster Weise von Lageweile geprägt war sondern ganz im Gegenteil so viel Vergnügen bereitete, dass ich einfach nicht halten wollte. Hinter jeder Kurve gab es neue Landschaftseindrücke zu bewundern und so legte ich an diesem Tag eine Strecke zurück, deren Vielfalt in derartig kurzer Zeit wohl kaum irgendwo zu finden ist. Von Queenstown aus zuerst über eine steile Passstraße nach Wanaka, wo sich wieder einer der zahlreichen Seen in türkis präsentierte. Am benachbarten Lake Hawea war die Wasseroberfläche so ruhig, dass ich einige perfekte Bilder machen konnte, als sich die Bergketten im Wasser spiegelten. Der Weg zur Westküste führte mich weiter über den Haast-Pass. Ich war dankbar darum, dass mein neuseeländischer Van mit besseren Bremsen ausgestattet war als mein Australischer, ansonsten hätte das hier wohl böse enden können. Ursprünglich plante ich in Haast zu übernachte, da der Ort allerdings nicht allzu viel zu bieten hatte und das Wetter auch nur durch Wolken geprägt war fuhr ich also weiter.

Next Stop: Fox Glacier und Franz-Josef-Glacier. Na gut, ich muss sagen, dass ich schon viele Gletscher gesehen und auch selbst überquert bzw. bestiegen habe, der Anblick von sich vom Gipfel nach unten schlängelndem Eis also nichts neues für mich ist. Dementsprechend verzichtete ich hier – nicht zuletzt auch wegen mangelnder Ausrüstung – auf eine hochalpine Erkundungstour. Trotzdem unterscheiden sich speziell diese zwei Gletscher von den uns im Alpenraum bekannten dadurch, dass sie sehr schnell fließen und durch die starken Niederschläge extrem schnell an Länge gewinnen oder verlieren. Von über 3600 Metern Höhe zieht sich die Gletscherzunge nach unten, weit unter die – ohnehin schon sehr tief gelegene – Baumgrenze und endet auf geschätzten 500 Metern Seehöhe. Von einem sanften, weißen Gletscherband wie es sich für typisch Europäische Gletscherschigebiete eignet kann hier auch nicht die Rede sein, da Spalten und Seracks ein imposantes „Eisblockmuster“ gestallten und eine Besteigung daher wohl sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde (von einer Abfahrt würde ich hier zumindest im Sommer sowieso abraten).

Hokita Neuseeland

Das wie eine vergessene Westernstadt anmutende Hokitika stellte letztlich meine Destination für diesen Tag dar und Dank der vielen unterschiedlichen Eindrücke war ich mehr als nur reif für das Land der Träume.

Auch der nächste Tag war von einer weiten Fahrt bestimmt und wiederum sehr kurzweilig. Den ersten Halt legte ich relativ schnell noch an der Westküste an – dort gab es eindrucksvolle Felsformationen zu bewundern, die die Brandung geschaffen und wieder zernagt hatte. Über zwei natürliche Felsbrücken spaziert man auf der Klippe entlang und sieht in das tiefe Loch, das das Wasser im Lauf der Zeit ausgespült hatte. Die Fahrt von Charleston durch das Landesinnere in Richtung Blenheim war wieder mehr vom Altbekannten – (fast) verkehrsfreie Straßen, abwechslungsreiche Natureindrücke und wenig Zivilisation. Erst die Fahrt durch das Wairau Valley stellte etwas gänzlich neues dar – das gesamte Tal dient als Weinbauregion und reiht ein Weingut nach dem nächsten entlang der Straße. Den Aufenthalt in Blenheim bzw. einen Tag später in Picton genoss ich entspannt mit „Nichts-Tun“. Die Rugby Sevens fanden gerade in Wellington statt, sodass das ganze Land sowieso nur gebannt auf diverse Flatscreens in Sportbars starrte. Eine perfekte Möglichkeit, um mit Locals in Kontakt zu kommen und sich gleichzeitig das Rugby-Regelwerk näher bringen zu lassen (allerdings nur mit mäßigem Erfolg – die wichtigste Regel, die jeder Neuseeland-Besucher im Kopf haben sollte, ist jedoch, Rugby einfach großartig zu finden und bloß keine Vergleiche mit American Football, Kricket oder sonst etwas zu ziehen – Rugby ist EINZIGARTIG!!!).

Am Sonntagmorgen boardete ich die Fähre nach Wellington, von wo aus ich gleich weiter fuhr, da sowohl das Wetter regnerisch war und auch alle Geschäfte und Cafes geschlossen hatten. Im Gegensatz zu den wenig besiedelten Regionen der Südinsel macht der erste Eindruck der Nordinsel ein gänzlich anderes Bild – ich sah die erste Autobahn auf Neuseeländischem Gebiet und war es schon fast nicht mehr gewohnt auch andere Verkehrsteilnehmer auf der Straße zu sehen. Sobald man jedoch aus dem größeren Stadtgebiet Wellington heraus kommt, beruhigt sich das auch sehr schnell wieder und man cruist in gewohnter Art der Straße entlang. Übernachtung in Wanganui.

Schafe in Neuseeland

Ich hatte am nächsten Tag die Hoffnung Mount Taranaki zu Umrunden und dabei einige Schnappschüsse zu ergattern. Leider spielte das Wetter nicht mit und ich bekam nicht mehr als die Ansätze des Vulkans zu sehen bevor die steilen Flanken in den Wolken verschwanden. In Stratford bog ich auf den Highway 43, besser bekannt als „Forgotten World Highway“. Der Name ist Programm. Am Anfang weist ein großes Schild darauf hin, dass auf den nächsten 150 Kilometern keine Tankstelle ist. Danke, aber mittlerweile bin ich schlauer geworden und die Kiste war bis zum Rand voll mit Sprit. Auf den nächsten 150 Kilometern fährt man durch Hügel und Berge, überquert vier Pässe, meistert 15 Kilometer Schotterpiste und zwängt sich durch einen Tunnel, der kaum breiter ist, als das Auto selbst. Die gesamte Fahrtzeit, inklusive zahlreicher Stopps zum Fotografieren, betrug viereinhalb Stunden.  Fahrspaß pur, auch wenn mein Van nicht nur die Farbe eines Ziegelsteins hatte, sondern auch dessen Fahreigenschaften teilte. In Taumarunui überlegte ich noch kurz, den Highway wieder zurück zu fahren – just for fun. Ich entschied mich doch zur Weiterfahrt über National Park nach Turangi. Leider hüllten sich auch die dortigen Vulkane in dicken Nebel und für die nächsten Tage gab es kaum Aussicht auf Besserung.

see und berge neuseeland horizontalDurch das Maori-Herzland gings am nächsten Tag weiter nach Rotorua. In dem Moment als ich über die Bergkuppe in die Stadt einfuhr, bemerkte ich schon den beißenden Geruch von Schwefel. Ich fragte mich, wie man hier dauerhaft leben könnte, aber offensichtlich gewöhnt man sich mit der Zeit auch an den Geruch von faulen Eiern. Nach einem Kaffe am Seeufer, wo ich hoffte, dem Geruch etwas weniger ausgesetzt zu sein, besuchte ich das Maori-Zentrum und den Ursprung des Schwefelaromas. Geysire und heiße Quellen sprudeln in regelmäßigen Abständen vor sich hin und liefern dabei jede Menge Schwefelablagerungen an die Oberfläche. Ein kurzer Barfußtest im Besucherpark machte mir klar: hier sollte man keine billigen Gummisohlen auf seinen Schuhen haben, da es leicht sein könnte, dass man auf dem rund 80 Grad heißen Untergrund kleben bleibt. Ich verbrachte ein paar Stunden im Park bzw. der Stadt selbst und setzte meinen Weg an die Ostküste der Nordinsel – genauer gesagt, Tairua fort, schließlich möchte ich tauchtechnisch auch in Neuseeland auf meine Kosten kommen.

Bei Ankunft am Tauchcenter war kein Mensch dort. Nachdem ich ein paar Minuten herum spazierte lief ein kleines Boot ein, das sich als jenes der Tauchcenterbesitzer herausstellte – die Jungs kamen gerade vom Hochseefischen zurück, sodass ich wieder Zeuge von der herausragenden Freundlichkeit der Kiwis wurde: nachdem ich meine Tauchgänge für den nächsten Tag fixiert hatte, bekam ich noch einen fangfrischen Thunfisch zum Abendessen geschenkt. Zubereitung: entschuppen, in Alufolie wickeln, auf dem heißen Grill nicht allzu lange grillen – genießen!

Bei den beiden Tauchgängen am nächsten Tag war ich dankbar für die doppelte Schicht Neopren, da das Wasser für meine Verhältnisse relativ kalt bei ca. 20 Grad war. Das tauchen hier stellte für mich komplettes Neuland dar, da an den Aldermen Islands keine Korallen vorhanden sind. Um die aus dem Wasser ragenden Felsen tummeln sich jedoch tausende Fische im Seegras und lassen sich schon auf Entfernung im perfekt klaren Wasser erkennen. Ich ließ den Tag bei einem Steak ausklingen – 783 Gramm feinstes neuseeländisches Rind. Zubereitung: Fleisch auf den heißen Grill, Salz und Pfeffer nach Bedarf, nicht zu lange grillen – genießen!

see und berge neuseeland

Meine letzte Etappe führte mich rund um die Coromandel Halbinsel nach Auckland, wo ich meinen Trip offiziell im Hafen der „City of Sails“ beendete. Auckland selbst beeindruckte mich nach den vergangenen Wochen nur wenig, wenngleich der Hafen mit seinen vielen Bars und Restaurants und dem überall hochgehaltenen America´s Cup Spirit einzigartig ist.

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