Österreichs Hauptstädte mal anders betrachtet

Wien ist Österreichs größte Stadt. Mit irgendwas zwischen 1.5 und 2 Millionen Einwohner, ist jeder 5. Österreicher ein Wiener. Scheint durchaus überdimensioniert. Mein Lieblingsspruch dazu: Wien ist der Wasserkopf Österreichs. Nun ist Wien allerdings tatsächlich auch der kulturelle Mittelpunkt Österreichs. Ich weiß, als gelernter Tiroler sollte ich Wien nichtmal zu Österreich zählen, ich muss aber gestehen dass ich die Edmund Sackbauers im Osten eigentlich ganz gern habe. Dass die anderen Hauptstädte Österreichs allerdings auch genug zu bieten haben, soll hier bewiesen werden. Gehen wir das ganze mal von West nach Ost durch.

Bregenz

Die Hauptstadt Vorarlbergs ist für viele Österreicher unbekanntes Terretorium. Wenn überhaupt kennt man Bregenz nur wegen der Pfänderstaus aus dem Verkehrsfunk. Überhaupt: ist Vorarlberg nicht schon in der Schweiz? Aber Vorsicht – isch cool Män. Nein, Bregenz ist zwar eine Kleinstadt, dank dem Bodensee aber durchaus sehenswert. Und der Zwiebelturm steht ja auch dort. Nicht zu vergessen, alljährlich finden auf der Seebühne die Festspiele statt.

Innsbruck

Über meine Heimatstadt könnte ich natürlich einen Artikel locker füllen. Ein Buch sogar. Für meine Frau, eine Zuagroaste aus Steyr, ist Innsbruck die schönste Stadt Österreichs. Wenn nicht gar der Welt. Eh klar, sie hat Geschmack. Aber im Ernst: Innsbruck ist schon wirklich schön. Vor allem die Mischung aus den Bergen, Natur, Sport und dem urbanen Lifestyle macht es so sehenswert. Der beste Platz ist im Frühling die Annasäule. Mit Blick auf das Goldene Dachl kann man die Nordkette in seiner ganzen Pracht bewundern. Oder noch besser: Rauffahren bis aufs Hafele Kar. Und in der Nacht geben die Studenten Gas. Also: unbedingt herkommen.

Salzburg

Mozartstadt, Festspielstadt. Salzburg ist für viele das schönere Wien. OK, nicht ganz so protzig, eher etwas feiner. Aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Dank den Festspielen im Sommer, der Pferdeschwemme, dem Dom, der Getreidegasse und überhaupt der ganzen Altstadt, dem Gaisberg…. oh Gott, wo hört das auf! Nein, Salzburg ist wirklich wunderschön. Stadttechnisch toller als Innsbruck, aber eben ohne die Berge. Ha! Man kann eben nicht alles haben.

Klagenfurt

Ist Klagenfurt überhaupt eine Stadt? Die Nachbarn aus Villach nennen die Klagenfurter wenig liebevoll Nebelkinder. Weils halt oft neblig ist. In der Stadt selbst gibt es außer dem Lindwurm eigentlich wenig zu sehen. Dafür sind Klima und Umgebung toll. Die Seen… ja, die Seen. Das kann schon was. Und die Klagenfurter natürlich. Besser gesagt die „innen“. Der Legende nach wedelt der Lindwurm jedesmal mit dem Schwanz wenn eine Jungfrau bei ihm vorbeigeht. Und er steht recht starr in der Gegend rum.

Linz

In Linz beginnts. So das Sprichwort. Wie man allerdings die Linzer betiteln soll, wenn die Klagenfurter die Nebelkinder sind? In Linz ist es nämlich wirklich nebelig. Einfach mal zwischen Oktober und März vom Pöstlingberg runterschauen. Oder ist das der Smog? Autobahnausfahrten wie Industriehafen oder Donauchemie sind vielversprechende Namen. Rein optisch ist Linz nicht der Bringer. Aber nachtlebentechnisch ist es klasse. Das könnt ihr mir glauben. Neben Wien ist Linz für Nachteulen der Nummer 1 Hotspot Österreichs.

St. Pölten

Österreichs jüngste Hauptstadt. Früher war Wien für Niederösterreich zuständig. Das wollten sich die irgendwann nicht mehr gefallen lassen. Und schwupps, schon machte man das Provinznest zur Landeshauptstadt. Mit einigen Neubauten wollte man das ganze aufpeppen. Gelungen ist es nicht. Sogar für Niederösterreicher ist St. Pölten ein Provinznest das nie und nimmer aus dem Schatten Wiens kommen wird. Muss man mehr sagen?

Eisenstadt

Na wenn wir schon mal beim Thema Provinznest sind. So wie Vorarlberg für viele zur Schweiz gehört, ist das Burgenland eigentlich ein Teil Ungarns. Und fast wäre es ja auch so gewesen. Eisenstadt, die Hauptstadt ist richtig klein. Und, auch wenn ich schon mal dort war, ich kann nicht sagen was man dort tun sollte. Außer am Bahnhof auf den Zug warten, der einen nach Wien bringt. Und das tun die meisten Burgenländer täglich, sei es um zur Arbeit zu kommen oder einfach um mal zu leben.

Graz

Die zweitgrößte Stadt Österreichs. Graz wirkt irgendwie schmuddelig, allerdings auf eine charmante Art und Weise. Wie sagte man in der K.u.K. Zeit: Die Wilden hinterm Semmering. Mir gefallen an Graz die Randbezirke mit den urigen Gasthäusern. Ein bisschen wie eine Mischung aus Österreich und Balkan. Das Klima im Grazer Becken ist auch toll. Und ich mag die Steirer. Urige Burschen, grade Michln wie man so schön sagt.

Und? Neugierig geworden? Am besten erreicht man Österreich aus dem Ausland über den Flughafen Wien Schwechat und erkundet den Rest dann von Wien aus mit dem Mietwagen.