Indien – Rajastan Rundreise mit dem Auto

Also gut . Da kam ich also in Indien, genauer gesagt in Delhi an. Ich war ja Dank der schillernden Berichte einer Kollegin, die vor zwei Wochen aus derselben Stadt von einer Geschäftsreise zurück gekehrt war, bestens über die Verhältnisse auf den Straßen, in den Städten, über die Menschen und die Kultur unterrichtet worden. Außerdem begibt man sich nicht als voller Ignorant auf eine Weltreise und studiert brav einen Reiseführer (der zu meiner Überraschung einige Dinge sehr kritisch ansprach und mich davon überzeugte, dass es auf Grund meines von vornherein schon sehr kurzen Aufenthaltes in Indien besser wäre im Vorfeld zumindest einen verlässlichen Fahrer zu organisieren).

Taj Mahal in Indien

Also wieder zum Anfang. Und ich entschuldige mich hier gleich mal für meine Abschweifungen, die jedoch von jedem Leser auch als Merkmal einer Weltreise gesehen werden können, schließlich kommen viele Dinge anders als erwartet, was nicht das schlechteste sein muss. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt lief nach dem selben Schema ab wie ich es aus Zimbabwe kannte – zuerst geiert eine Horde Taxifahrer darum, einen fahren zu dürfen und bestätigt zu wissen wo das gesuchte Hotel sei. Am Ende kurvt man Stunden durch eine Nachbarschaft und versucht sich im Türschild-Lesen, bis einen der Taxifahrer in voller Verzweiflung über diesen hartnäckigen Europäer beinahe einfach vor die Tür setzen will. Nach drei Stunden des umherirrens fanden wir schließlich das Hotel. Zu diesem Zeitpunkt machten mir die Nacht in der Holzklasse von British Airways und der Smog schon ziemlich zu schaffen und ich war nur noch froh, bald ins Bett zu kommen.

Am nächsten Tag pünktlich um acht lernte ich meinen Fahrer für die nächste Woche kennen. Ich musste erfreut feststellen, dass die „organisierte“ Reise – deren Freund ich normalerweise nicht gerade bin, eine sehr intime sein wird, da ich der einzige Gast im Auto war. Die Fahrt aus der Stadt war unspektakulär, zumindest nach indischem Standard. Verkehrsregeln gibt es nicht, die Hupe ist das wichtigste und einzige an einem Fahrzeug, das funktionieren muss und auf dem Highway begegnen einem auch Karren, Rikschas und andere Gefährte. Ich kannte ähnliche Verhältnisse bereits aus meiner Zeit in Südafrika und schlief im Auto ein.

Das Taj Mahal – beeindruckend trotz Touristenmassen

Zu Mittag kamen wir in Agra an und ich startete sofort zur Besichtigung des weltberühmten Taj Mahal. Ein Prunkbau aus feinstem, weißem Marmor, erbaut als Mausoleum für die Frau des Maharadschas im 17. Jahrhundert. Besonders beeindruckten hier die Marmor-Einlegarbeiten – die farbenfrohen „Malereien“ sind in Wirklichkeit farbige Steine, die in den Marmor eingearbeitet wurden und prächtige Ornamente und Muster ergeben. Die gesamte Anlage strahlt majestätischen Glanz aus und lädt trotz touristischem Trubel zum Verweilen ein. Meine Freundin hätte sich mit Sicherheit schon als Maharani durch den Park wandern sehen. Für mich ging der Besichtigungstrip gleich weiter zum Red Fort – der Wehranlage in Agra. Eine ebenfalls durch Größe und Prunk beeindruckende Festung mit direktem Blick auf den Taj Mahal.

Ausflug nach Fatehpur Sikri

Der nächste Tag der Reise führte mich nach Fatehpur Sikri – einer Geisterstadt, die auf Grund von Wassermangel zu Maharadscha-Zeiten nur kurz bewohnt war. Durch meine frühe Ankunft am Morgen, strahlte die Sonne flach auf die mächtigen Sandsteinbauten und tauchte die ganze Anlage in mystisches Rot. Wie zu jener Zeit üblich, spiegelt sich in der Bauweise der einzelnen Palastgebäude die Religion der jeweiligen Frau des Maharadschas wieder – ein Palast in christlicher, einer in muslimischer und einer in Hindu-Bauweise.

Vogel in Indien

Den Nachmittag verbrachte ich in einem außergewöhnlichen Vogelschutzgebiet, in dem ich einige großartige Bilder von Eisvögeln und Schwarzstörchen machen konnte. Obwohl die Tour mit der Rikscha meines Wissens nach nur zwei Stunden hätte dauern sollen, verbrachte ich beinahe doppelt so viel Zeit hier, was sich am Ende als heftiges Streitthema zwischen meinem Fahrer, den beiden Tourguides und mir herausstellte, da man natürlich für die zwei zusätzlichen Stunden bezahlen musste, mein Fahrer schon vor Stunden aufbrechen wollte und ich hartnäckig erklärte, dass ich mehrfach auf das Zeitlimit hingewiesen hatte. Geschäft auf indisch eben. Auf der 200km langen Strecke zum Rathambore Nationalpark wurde mir schließlich bewusst, warum mein Fahrer darauf drängte rechtzeitig los zu fahren. Die fünfstündige Fahrt verlangte nicht nur ihm sondern auch mir als Beifahrer ein ganzes Stück Nerven ab. Chaos total in der Dunkelheit mit Schlaglöchern, LKWs und dem üblichen indischen Straßenwahnsinn. Ich vertraute meinem Schutzengel und lauschte dem Sound von Vanessa Mae auf meinem iPod.

Safari in Indien

Am nächsten Morgen ging’s gleich sehr zeitig los zur ersten Safari in den Nationalpark. Mit meinen Erinnerungen an die heißen Safaris in Südafrika und Kenia kuschelte ich  mich unter die Decken auf dem offenen Safarijeep – ich war dankbar für die Winterjacke in meinem Rucksack, da ich den indischen „Winter“ beinahe unterschätzt hätte.

Durch eine enge Schlucht ging es zuerst in das Schutzgebiet wo sich sanfte Hügel mit Felsklippen, kleinen Seen und Buschland vermischten. Eine Menge Großgazellen sorgten hier für die ersten „Ahh“s und „Ohh“s auf meinem Jeep. Die Guides hielten ständigen Funkkontakt untereinander, um eventuellen Tigersichtungen nach zu spüren und es dauerte nicht allzu lange bis wir Erfolg hatten. Der Anblick der mächtigen Raubkatze war wohl eine der schönsten Erfahrungen auf meiner Reise. In dem Moment in dem man das Tier endlich erkennen kann und den Moment auskostet, fleißig fotografiert und an nichts anderes denkt, vergisst man die Zeit und alle anderen Gedanken.

tiger in indien

Auf der Nachmittagssafari gab es bis zum Schluss nicht mehr allzu viel zu sehen, da die meisten Tiere der Nachmittagshitze auswichen, doch zum Schluss hatte ich noch einmal das Glück einen der Tiger zu sehen. Dieses Mal kletterte ich sogar auf das Dach des Safaribuses, um einen möglichst guten Blick zu erhaschen.

Jaipur – die rosarote Stadt

Jaipur – „Die rosarote Stadt“ war das Ziel der nächsten zwei Tage. Nach der Ankunft verbrachte ich den Nachmittag mit der Besichtigung des Astronomischen Zentrums, wo es allerlei Messinstrumente zur Feststellung von Planetenkonstellationen, Sonnenzeit und Mondposition zu bewundern gab – ich wusste nicht viel über diesen Ort und dachte an ein langweiliges Museum. Es stellte sich jedoch heraus, dass die meisten Objekte haushohe Konstruktionen in einem Freiluftpark waren und zweifelsfrei von großem Erfindergeist zeugten (wie zum Beispiel einen Sonnenuhr, die die astronomische Zeit auf zwei Sekunden genau anzeigt). Danach spazierte ich noch durch den Stadtpalast, der nicht durch seine Alter, dafür aber durch Farbenpracht und Anlage beeindruckt.

Am darauf folgenden Morgen stoppten mein Fahrer und ich noch am Palast der Winde, der sich zu meiner Überraschung nur als Fassade herausstellte. Zu Maharadschazeiten verbargen sich hinter den tausenden kleinen Fenstern und Erkern die Maharani, um, von der Öffentlichkeit verborgen, den Paraden des Maharadschas auf der Straße zuzusehen.

Amber Fort Indien Jaipur

Die letzte Station meines kurzen Indienaufenthaltes war nun das Amber-Fort. Eine Palast- und Wehranlage, die erhaben auf den Hügeln vor Jaipur über mehrere Generationen hinweg gebaut und erweitert wurde. Die typische Bauweise mit öffentlichem und privatem Audienzbereich, sowie den Innenhöfen und Aussichtspalästen zeigten die kulturelle Geschichte und Großartigkeit von Rajastan und bilden einen starken Kontrast zu den oft erschreckenden Zuständen, die einem im Straßenalltag begegnen.

Wie in Indien üblich beharrte mein Guide nach der Tour darauf, mir die Kunst der Steinschleiferei zu zeigen, was – wenig überraschend – in einem Verkaufsraum endete. Nach acht Tagen in Indien war ich auf das ja schon vorbereitet. Was mich allerdings wirklich zum Staunen brachte, war die Tatsache, dass sich in Mitten von Müllhalden aus denen Schweine fraßen, ein Juwelier befand, dessen Schauraum wahrscheinlich genauso gut auf der 5th Avenue in New York hätte sein können. Diese Bild beschreibt meinen Indien-Eindruck wohl am besten – Gegensätze wie ich sie sonst noch nirgends erlebt habe.

Nach der Fahrt zurück nach Delhi verbrachte ich noch ein paar Stunden im Hotel, bevor ich gegen Mitternacht zum Flughafen aufbrach – die letzte Woche war unglaublich interessant und von kulturellen Sehenswürdigkeiten geprägt, wenn gleich auch sehr anstrengend. Zum ersten Mal seit meiner Abreise kam Urlaubsstimmung auf, als ich in Delhi auf meinen Flug wartete und Freddy Mercury lautstark in meinem iPod hämmerte.

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