Atemlos in Leh (Ladakh)

Einen tollen Reisebericht samt Fotos hat mir Peter Keller aus der Schweiz zugesandt. Lesend steigt die Vorfreude auf meine eigene Ladakh Reise. Vielen Dank lieber Peter an dieser Stelle.

Fast geheiratet, fast aufgefressen, ganz hingerissen

Im Verlauf unserer Indien-Reise war auch ein Aufenthalt in Ladakh geplant. Um 05.35 Uhr stiegen wir in Delhi in die Maschine. Etwas mehr als eine Stunde später beneidete mich Gerhard bereits um meinen Platz am Fenster: perfekte Aussicht auf den Himalaya. Der Flieger machte eine grosse Schleife durch die Täler, bevor er holprig landete. Leh liegt auf ca. 3500m. Das machte sich beim Ausstieg auch direkt in Form eines leichten Schwindelgefühls bemerkbar. Vielleicht lag es auch einfach an der Müdigkeit. Jedenfalls erreichten wir bald unser Hotel. Auf dem Parkplatz davor gab es ein regelrechtes Harley-Treffen. Wir waren wohl die einzigen Nicht-Biker-Gäste. Aufgrund der tausenden Warnungen, die wir von Bekannten erhalten hatten, wollten wir den ersten Tag zwecks Aklimatisierung extrem ruhig angehen. Nach dem Willkommens-Tee spazierten wir einfach mal gemütlich drauf los. Die Kopfschmerzen kamen trotzdem, allerdings nur bei mir. Das Ibuprofen hat zum Glück halbwegs gewirkt. Vom Palast und der Shanti-Stupa aus konnte man wunderbar das Flusstal und die umliegenden, schneebedeckten Sechstausender überblicken. Wir fühlten uns wie in einer anderen Welt. Etwas ausserhalb der Stadt begegneten wir einem freundlichen Mann, der darauf bestand, uns in sein Haus einzuladen und mit ihm zu essen. Das Beste: Er stellte uns seine 26-jährige Tochter vor und wollte, dass Gerhard sie heiratete. Ohne die Kopfschmerzen hätte ich mir das Lachen wohl kaum verkneifen können. Dem Mann war aber gar nicht zum Lachen, denn als Gerhard ablehnte, kippte die Stimmung direkt ins Negative und wir beschlossen, wohl besser zu gehen.

Die Temparaturen ändern sich hier drastisch. Am Tag verflucht man die Thermounterwäsche und kramt ständig nach Sonnencreme, gegen Abend wird es hingegen ganz schnell bitterkalt. Dafür gibt es einen unbeschreiblichen Sternenhimmel zu bewundern mit Sternschnuppen im gefühlten 20-Minuten-Takt.

Am nächsten Tag war ich durch meinen Kopf leider völlig ausser Gefecht gesetzt, weshalb ich im Hotel blieb, wobei Gerhard mir netterweise Gesellschaft leistete. In der Nacht wurde Pokies es besser, und ich fühlte mich fit genug für eine Jeeptour zum Langong-See. Wenn man vom Rest Indiens nach Leh kommt, wirkt es fast wie ein verschlafenes Nest. Internet war ausgefallen und die meisten Geschäfte öffneten erst gegen Mittag. Einzig die vielen Geländewagen wirkten diesem Eindruck entgegen. Die sind aber auch notwendig, wenn man die Strassen sieht, die teilweise kerzengerade den Berg hinauf führen. Auf der Fahrt zum See wurden wir ordentlich durchgeschüttelt. Neben der Strasse waren überall Zelte von Strassenarbeitern aufgestellt. Strassenarbeiter selbst bekamen wir aber keine zu Gesicht. Dabei wäre ihre Arbeit dringend notwendig gewesen J. Dafür sahen wir haufenweise Yak. Bei der ersten Pinkelpause machten wir eine weitere Entdeckung: das Wrack eines Google-Autos inklusive kaputter Dach-Kamera. In dieser Umgebung stösst wohl sogar Google an seine Grenzen.

Am See angekommen war es sehr windig und einige plaudernde Soldaten störten die Idylle des Ortes. Uns beachteten sie aber kaum. Das Wasser selbst schillerte in unnatürlich wirkenden Farben. Zum Baden lud es allerdings nicht wirklich ein. Wahrscheinlich erwähne ich zu oft den schönen Ausblick, aber der Ausblick verschlug einem auch wirklich den Atem.

Am Abend in der Stadt gab es wiederholt Stromausfälle, und das bei ohnehin karger Strassenbeleuchtung. Ohne Taschenlampe wären wir ziemlich aufgeschmissen gewesen. Auf dem Weg ins Hotel wurden wir von einem Rudel Strassenhunden belagert, die übberaschend langes Fell hatten, wie Bobtails. Im Nachhinein war die Idee, sie mit etwas Essen zu besänftigen, wohl kein guter Plan. Als ich mich davonstehlen wollte, schnappte einer nach meiner Hand, die ich nur mit Glück rechtzeitig wegziehen konnte. Zum Glück verfolgten sie uns nicht ins Hotel.

Tags darauf machten wir eine weitere Jeeptour über den höchsten Pass der Welt ins Nubra-Tal, wo wir einem äusserst neugierigen Murmeltier begegneten. Die Mischung aus schneebedeckten Bergen, Kamel-Wüste und Grün war schon fast komisch, aber trotzdem beeindruckend und schön. Am nächsten Tag ging unsere Reise auch schon weiter Richtung Srinagar, von der ich später noch ausführlich berichten werde.

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Leh_Koenigspalast

Königspalast in Leh

Leh von oben

Leh von oben

Pangong Lake

Pangong Lake

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