Weltreise done by Lukas Archiv

Brasilien – Regen im Paradies und Sonnenuntergang am Zuckerhut

Da mein Schatz doch eher auf der verwöhnten Seite des Lebens steht, quartierten wir uns nicht etwa in ein paar Jugendherbergen ein sondern buchten ein edles SPA Hotel schon einige Wochen zuvor. Was wir nicht ganz bedacht hatten war die dreistündige Fahrtstrecke von Rio nach Buzios, die wir mittels Taxi (hier war Feilschen ohne Ende angesagt) zurücklegten.

Gleich bei der Ankunft stellten wir fest, dass wir hier wohl wirklich im Luxusort Brasiliens angekommen waren und ließen am Pool unter den Palmen die Seele baumeln. In den nächsten Tagen war daran allerdings nicht mehr oft zu denken, da Dauerregen und Gewitter nur einige kurze Spaziergänge an den Strand oder in die Stadt zuließen. Die ist im übrigen sauteuer und hat leider nicht viel zu bieten. Buzios scheint zwar in Südamerika für Luxus und Exklusivität zu stehen, kann diesbezüglich aber nur mit den Preisen mithalten. Wir überlegten schon, ein paar Tage früher zurück nach Rio zu fahren, verwarfen diese Pläne allerdings wieder und reisten wie geplant zwei Tage vor unserem Rückflug nach Buenos Aires ab.

strand in brasilien

Die Zeit in Buzios stellte wohl unsere Beziehung auf einen guten Prüfstand und ich kann mit Stolz sagen, dass wir, im Gegensatz zu anderen Pärchen in unserem Hotel, deren Aggressionspotential vom Wetter beeinflusst von Tag zu Tag größer wurde, diese Prüfung hervorragend meisterten. Rio de Janeiro begeisterte uns beide schon auf der Fahrt vom Flughafen in unsere Unterkunft. Dieses Mal eine Jugendherberge und kein Luxushotel!. Der erste Stadtspaziergang führte uns gleich an die weltberühmte Copa Cabana.  Überraschend wenig Menschen tummelten sich auf dem riesigen Strand, sodass wir beschlossen für den Rest des Abends hier zu bleiben. Pizza aus dem Pizzakarton und Bier aus der Plastikflasche waren unser Abendessen unter Sternenhimmel im feinen Sand der Copa Cabana – kitschig!

Für den nächsten Tag nahmen wir uns das Hardcore Sightseeing Programm vor – zuerst zur Christusstatue. Nein, Moment, zuerst verzweifelte Suche nach der Bushaltestelle für den Bus zur Christusstatue, dann erst Christusstatue. Wie so oft an entlegenen Orten der Welt, die man nicht gerade jedes Wochenende besuchen kann, schlägt Murphys Gesetz in voller Härte zu: die Statue war zur Gänze eingerüstet und ließ so nur ihre wahren Ausmaße erahnen. Die Touristenattraktion ist trotz Menschenmassen den Besuch mehr als nur wert, da man nirgends einen atemberaubenderen Blick auf die Metropole werfen kann als hier.

In der Nachmittagshitze schlenderten wir dann bei 37 Grad ein wenig durch die Stadt, schauten demotiviert auf das kleine Fort an der Copa Cabana und verkrümelten uns nach einem kurzen Stopp am Ipanema Beach für ein Mittagsschläfchen in unserem Bett. Die letzte Destination unserer Reise war dann natürlich der Zuckerhut, an dessen Gipfel wir zwar nicht mehr rechtzeitig zum Sonnenuntergang waren, dafür aber die kühle Brise genossen. Außerdem hielten sich nicht mehr viele Menschen dort oben auf, sodass wir beinahe zwei Stunden am Gipfel verbrachten und die Aussicht auf die hell erleuchteten Strände in Mitten des riesigen Ballungszentrums aufsaugten.

rio de janeiro strasse

Nun war der Tag gekommen, an dem ich meine Heimreise antrat, zuerst zwar nur mit Zwischenziel Buenos Aires (natürlich wieder mit meiner vielgeliebten Aeronlineas Argentinas – ich wiederhole mich hier vielleicht, aber diese Fluglinie ist wirklich das Letzte), aber schon in dem Gefühl am Abend des nächsten Tages wieder in Richtung Europa aufzubrechen. Das Wiedersehen mit meinen Eltern in der argentinischen Hauptstadt feierten wir gebührend, auch wenn einige Großdemonstrationen zum Nationalfeiertag für einiges an Chaos in der Stadt sorgten. Nichts desto trotz ist jede Großdemo bei uns ein Kinderspiel gegen südamerikanisches Temperament und Schlagzeugbands, die ihre Parolen lautstark durch die Straßen trommeln.

Die letzten Stunden vor unserer Abreise verbrachten wir noch damit, unsere Kreditkarten beim Shoppen zum Glühen zu bringen und fuhren gemeinsam zum Flughafen, mussten jedoch auf Grund von unterschiedlichen Flugallianzen ab dem Check-In getrennte Wege gehen.

Elf Stunden Flug, Umstieg in Madrid, Kurzstrecke nach München und Fahrt nach Innsbruck brachten mich schließlich wieder zurück in die Heimat. Glücklich, dass alles ohne Probleme ablief, dass ich gesund und im Ganzen wieder angekommen war und Freunde und Verwandte wieder sehen konnte, fiel ich todmüde ins Bett… mit dem Gedanken daran, wann und wohin ich wohl als nächstes Reisen werde!

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Argentinien – Busfahrt auf südamerikanisch

Wenn mir vor einem halben Jahr irgendjemand geraten hätte, Südamerika am besten mit dem Bus zu erkunden, hätte ich ihm wahrscheinlich den Vogel gezeigt. Spätestens jetzt erkannte ich allerdings, dass es hier keine bessere Form der Fortbewegung geben kann. Exklusive Luxusliner teilweise mit richtigen Betten ausgestattet, Bordservice und Entertainment machen eine derartige Reise zum echten Erlebnis.

Anden in Argentinien

Auf dem Weg aus Santiago de Chile sahen wir noch einiges an Zerstörung an Brücken und Gebäuden. Dann ging es die kurvige Straße hinauf in die Anden und zum Pass beziehungsweise  dem Grenzübergang nach Argentinien. Beeindruckt durch die farbenprächtigen Felskolosse und die in der Ferne glänzenden Gletscher verbrachte der ganze Bus etwa drei Stunden an der Grenze, bevor es wieder hinunter und weiter durch die Pampas ging. Ankunft in Buenos Aires gegen 11 Uhr Vormittag am nächsten Tag.

Doch etwas gerädert durch die lange Fahrt war meine Motivation für Sightseeing Touren gering. Meine verbliebene Reisegefährtin und ich verbrachten den restlichen Tag am Plaza Dorrego und beobachteten die Tangopaare bei ihren regelmäßigen Auftritten. Die nächsten Tage in Buenos Aires waren von mehr oder weniger anstrengenden Fußmärschen durch die Stadt und ein paar Sightseeing Höhepunkten geprägt, inklusive dem Fußballspiel River Plate gegen San Lorenzo. Das Spiel war leider nicht der Brüller, dafür war der Gesamteindruck von den Fans in einem südamerikanischen Stadion umso amüsanter und lauter.

Nach Monaten der Trennung war es dann schließlich soweit, dass ich am Sonntagabend meine Eltern und meine Freundin vom Flughafen abholen und in die Arme schließen konnte.

kueste in argentinien

Die Wiedersehensfreude konnten wir nicht lange genießen, da es schon am nächsten Morgen nach heftigem Streit mir Aerolineas Argentinas,  zweifelsfrei die schlechteste Fluglinie mit der ich je geflogen bin und ich schließe hier Air Zimbabwe ein, doch noch mit etwas Verspätung in die südlichste Stadt der Welt ging. Wir quartierten uns in einer kuscheligen Holzhütte ein und versuchten uns am Ofen aufzuwärmen, da sich das Wetter nicht gerade von seiner besten Seite zeigte. Auf meiner Reise machte ich nicht gerade viel Erfahrung mit Temperaturen zwischen 5 und 8 Grad, Wind und Regen in all seinen Varianten. Dennoch war der Tagesausflug am nächsten Tag ein voller Erfolg. Mit dem Mietwagen fuhren wir gemeinsam Richtung Norden, wo sich ein paar einsame Ortschaften zwischen Seen und Berghänge ein hartes Leben erwirtschaften. In den darauf folgenden Tagen besuchten wir den Nationalpark Feuerland, spazierten unzählige Male durch das kleine Städtchen Ushuaia und ließen die Abende feuchtfröhlich bei ausgezeichnetem Essen und Tequilla ausklingen.

argentinien haus boot

Am Tag der Abreise meiner Eltern in Richtung Antarktis bestiegen meine Freundin und ich auch noch ein Boot. Zwar unvergleichbar kleiner und schlechter ausgestattet, aber ein riesen Spaß. Die halbtägige Tour führte uns zum Wahrzeichen von Feuerland – dem Leuchtturm im Beagle Canal, einer Robben- und Kormoran-Kolonie und einer weiteren kleinen unbewohnten Insel, die hervorragenden Blick auf Ushuaia und Berge ringsherum bot. Sowohl Wetter als auch Landschaft riefen einige Erinnerungen an die Heimat wach, sodass wir dem Gebirgskamm nördlich von Ushuaia auch bald als die südlichste Nordkette der Welt bezeichneten.

Auf Grund unserer typisch verplanten und chaotischen Art verpeilten wir natürlich uns früh genug für einen Trip zur nächstgelegenen Pinguinkolonie anzumelden. Dafür kompensierten die schillernden Reiseberichte meiner Eltern mit Pinguin- und Eisbergfotos nach unserer gemeinsamen Rückkehr nach Europa alles. Außerdem gibt es so einen guten Grund irgendwann wieder hier her zurück zu kehren.

Wir verließen Ushuaia am Tag nach meinen Eltern – allerdings in Richtung Norden. Nach einer weitern Übernachtung in Buenos Aires starteten wir zur letzten Destination auf meinem Round-the-World-Trip: Rio de Janeiro, Brasilien.

Ach ja, Aerolineas zeigte sich wie gewohnt und es brachte uns zum Schmunzeln, als wir feststellten, dass Unfreundlichkeit und Einheitshaarschnitt wohl zu den Einstellungskriterien beim Flugpersonal gehören. Außerdem gibt an dieser Stelle einen wertvollen Tipp für Ryan-Air und Co bzw. alle, die planen, selbst eine Fluglinie zu gründen: einfach nach der Hälfte der Flugstrecke den Captain anweisen das „Fasten Seat Belt Sign“ einzuschalten (unabhängig davon ob es Turbulenzen gibt) und darauf bestehen, dass alle auf ihren Plätzen sitzen bleiben. Auf diese Art und Weise vermeidet man als Fluglinie etwaige Extragetränke ausgeben zu müssen oder etwa gar dem Flugpersonal beim Lesen spannender Klatschlektüre die intellektuelle Betätigung zu rauben.

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Chile – Wein, Schnitzel und Apfelkuchen (mit Marzipan)

Schon kurz nach dem Abflug von Auckland kam ich mit einer Holländerin ins Gespräch, nachdem ich bemerkte, dass sie für Chile einen Reiseführer studierte. Sie hatte ihre Unterkunft auf Grund von Empfehlungen schon vorgemerkt und ich hielt es für das beste, mich mit ihr zusammenzuschließen, um gemeinsam zur „Casa Roja“ im Zentrum Santiago de Chiles aufzubrechen. Ihre Wahl war außerordentlich gut. Die 200 Jahre alte Villa war eine von einem Australier renovierte Jugendherberge und zeichnete sich nicht nur durch Sauberkeit, eine Pool-Bar und angenehmes Personal aus, sondern ließ einen auch entspanntes Flair genießen. Ich war durch den langen Flug und den Jet-Lag einigermaßen gerädert, sodass ich die ersten zwei Tage eigentlich nur ein paar Spaziergänge durch die Nachbarschaft machte oder im Garten bzw. Pool abhing.

Chile

Für den vierten Tag buchte ich einen Tagesausflug in die Anden und zu den nahe gelegenen Weinregionen. Ich lernte ein Pärchen aus Salzburg kennen, mit denen ich nach kurzer Zeit schon begann den chilenischen Wein zu verkosten. Die gute Unterhaltung führte zu zahlreichen weiteren Bestellung, was darin resultierte, dass ich am nach nur drei Stunden Schlaf wieder aus dem Bett kroch und mich dabei wie ein Zombie fühlte. Seltsam, als ich 18 war, machte mir das noch nichts aus… Mühsam stieg ich in den Bus, der mich pünktlich abholte und betete, dass sich mein Kater schnell legen würde. Diesen Gedanke verwarf ich allerdings, nachdem die nächsten Passagiere in den Bus stiegen und mich das Parfum einer netten Dame dazu brachte, das Fenster zu öffnen. Nach einer dreiviertel Stunde Stadtrundfahrt sollten wir alle in einen kleineren Bus umsteigen. Zu diesem Zeitpunk gab ich w.o. und buchte die Tour unverbindlich für den nächsten Tag um. Vom Stadtrand aus, versuchte ich wieder zurück zum Hostel zu kommen, um die Demütigung und den Kater zu vergessen (ganz nebenbei zockte mich dabei auch noch ein Taxifahrer ab…).

Die anderen Leute in der Casa Roja machten den Aufenthalt hier zum wirklichen Erlebnis und ich genoss es, mich mit anderen Reisenden aus aller Herren Länder über unterschiedliche und gemeinsame Erfahrungen auszutauschen. Mit zwei Schweizer Pärchen kam ich am Freitag Nachmittag an der Pool-Bar ins Gespräch und wir verbrachten den gesamten Abend gemeinsam – inklusive Schweizer Spezialität: Makronen mir Käse (nicht so gut wie Steak, aber auch nicht schlecht). Ich verabschiedete mich gegen ein Uhr nachts und freute mich auf das Bett.

Erdbebenschaeden in Chile„Wie kann jemand auf die dämliche Idee kommen, in einem 8-Bett Schlafsaal einer Jugendherberge um 3:34 Uhr lautstark herumzuschreien???“ Ich sprang aus dem Bett und stellte mich zu dem Kerl, der unter dem Türstock heftig gestikulierte und stellte mir die Frage was ich hier machte und vor allem, warum schreit er: „Earthquake, earthquake!“ Erst jetzt realisierte ich, was der Anlass für das nächtliche Chaos war. Ich hatte Mühe und Not auf den Beinen zu bleiben, ich spürte, dass ich offensichtlich eine nicht unerhebliche Menge Staub und Reste von Verputz in meinen Haaren hatte und bemerkte, wie sich der große Schrank neben mir bedrohlich vorwärts und rückwärts bewegte. Ich zog ein junges Mädchen, das wie paralysiert vor dem Schrank in der Dunkelheit stand zu mir unter den Türstock… Das Schütteln hörte bald darauf auf und die meisten verließen damit den Raum und rannten nach unten in Richtung Garten. Trotz meines noch immer recht verschlafenen Geisteszustand dachte ich mir nur, dass dies unmöglich das erste Erdbeben sein konnte, das dies 200 Jahre alte Villa erlebt hatte und fühlte mich eigentlich sicher. Wahrscheinlich gibt es derartige Erdbeben hier in Chile alle paar Wochen (woher soll denn bitte ein Mitteleuropäer eine Referenz haben, ob ein Erdbeben gerade stark oder schwach ist). Ich wollte nachsehen ob es Schäden gab und verließ den Raum, kehrte zurück, um anzuziehen (es könnten ja jede Menge Glasscherben herumliegen), stellte fest, dass zwei Jungs noch immer tief und fest in ihren Betten schliefen und spazierte anschließen langsam Richtung Treppenaufgang und Garten. Es war ruhig und ich traf keine Person auf meinem Weg nach draußen. Offensichtlich war es keine Besonderheit und die Leute nahmen das Ganze recht gelassen. Das dachte ich zumindest bis ich mich langsam dem Garten näherte und den Krach einer panischen Menschenmenge hörte, die offensichtlich schwerst verängstigt ins Freie flüchtete. Ich traf auch gleich die vier Schweizer, die eigentlich gerade am Weg ins Bett gewesen wären und Zahnbürste und –paste stolz präsentierten. Die Bediensteten des Hostels begannen sofort mit dem Notfallplan, zählten durch und fragten nach Vermissten, teilten Decken aus und zündeten den großen Gemeinschaftsgrill als Wärmespender an. Wie verbrachten die nächsten Stunden im Freien, um eventuelle Nachbeben im Gebäudeinneren zu vermeiden. Die Panik beruhigte sich bei den meisten sehr schnell und wir feierten eine amüsierte Gartenparty.

Als der Strom wieder da war, bekamen wir die ersten Nachrichten zu hören, die von massiver Zerstörung im Süden des Landes berichteten. Der Versuch meiner Familie eine SMS zu schicken scheiterte an einem komplett überlasteten Handynetz (aber es funktionierte noch!). Als der Morgengrauen über der Stadt einbrach, spazierte ich mit ein paar anderen vorsichtigen Leidensgenossen zurück ins Gebäude, um sich einen Überblick über die Schäden zu machen. Der erste Blick war zwar erschrecken, da der Verputz und die liebevoll restaurierten Stuckaturen entweder in tausend Stücken am Boden lagen oder jeden Moment drohten herunter zu krachen. Die zwei Schweizer brachen in Richtung Atacama Wüste auf, auch wenn wir ihnen nur wenige Chancen gaben, dort am heutigen Tag anzukommen. Der Versuch doch noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen scheiterte an einer Reihe von Nachbeben, die zum Teil recht heftig ausfielen.

Am Nachmittag funktionierte dann auch Internet und Telefon wieder, sodass der Großteil der internationalen Gäste damit begann, Informationen über eine etwaige Weiterreise zu sammeln bzw. alle Angehörigen zu Hause zu informieren, dass alles in Ordnung sei. Dank Skype und Facebook lassen sich derartige Meldungen heutzutage ja relativ schnell und leicht verbreiten. Ein Spaziergang durch die Nachbarschaft stellte sich als verhältnismäßig unspektakulär heraus. Ein paar alte Kirchen (die im übrigen schon vor dem Beben durch dicke Holzsäulen abgestützt wurden) stürzten teilweise ein und bei einigen Gebäuden fiel eine beachtliche Menge Außenputz von den Wänden. Bis auf ein Gebäude, das völlig in sich zusammen gekracht war, waren die Schäden – zumindest in diesem Teil der Stadt – überschaubar. Durch das Beben waren die meisten Lebensmittelläden geschlossen, sodass sich an den wenigen Kiosks lange Schlangen bildeten. Wieder zurück im Hostel gesellte ich mich zu der mittlerweile perfekt arbeitsteiligen Clique zurück (einer kümmerte sich um alle Flughafeninformationen, der andere ums Abendessen, der nächste um Busverbindungen usw…). Das gemeinsame Abendessen war entspannt und gespickt von sarkastischen Bemerkungen des gepflegten schwarzen Humors. Die Nacht auf Sonntag verlief ohne weitere Eruptionen – zumindest keine, die ich gespürt hätte.

Am Sonntag begann der Tag wie üblich. Der ganze Trupp traf sich nach mehr oder weniger gutem Schlaf in einem der kleinen Innenhöfe, schlürfte seinen Instant-Kaffee und las die Online-Ausgaben diverser Zeitungen. Heute wäre mein Abreisetag gewesen, doch da die Nachrichten davon berichteten, dass der Flughafen wahrscheinlich für einige Tage, wenn nicht sogar Wochen gesperrt bleiben würde, tat ich mir die Mühe gar nicht an hin zu fahren. Stattdessen vereinbarte ich mit dem verbliebenen Schweizer Pärchen, am nächsten Tag nach einer Busverbindung von Santiago de Chile nach Buenos Aires zu suchen.

Da sich unsere Nahrungsmittelvorräte drastisch verkleinert hatten (außer Essen, Trinken, Rauchen, Internetsurfen und allerlei Blödsinn quatschen kann man in einer Großstadt, in der praktisch Ausnahmezustand herrscht nicht viel machen) und da sich bei manchen auch schon so etwas wie panischer Lagerkoller breit machte, beschloss ich etwas für die Stimmung und gegen den Hunger zu unternehmen und ging auf die Jagd. Das Ziel war der Supermarkt, der tatsächlich wieder geöffnet war (und in dem entgegen den Befürchtungen meiner Mutter keinerlei Spuren von Plünderungen zu sehen waren).

Das Menü bereitete ich geistig schon vor – Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat und gegebenenfalls einem süßen Dessert. Ratlos stand ich also vor der Fleischtheke, probierte mal hier und mal da – nirgends gibt es Kalbfleisch (die Steakrinder müssen doch auch mal jung gewesen sein, dachte ich). Alternative: Schweinsschnitzel. Fehlanzeige – warum sollte man auch Schweinefleisch in einem Land essen, wo es mit das beste Rindfleisch der Welt gibt. Am Ende entschied ich mich für einen Rindsbraten – eine kleine Herausforderung stellte noch die Suche nach Semmelbröseln dar, dafür war das Dessert in Form eines herrlichen Apfelkuchens mit Marzipanstückchen umso einfacher.

Bewundert von einigen amerikanischen Boys und Girls bereiteten wir in der Gemeinschaftsküche das Abendessen vor – Improvisation auf höchstem Niveau, 1. Schnitzelklopfer = Nudelholz, 2. Semmelbrösel waren offensichtlich eine Fertigbackmischung => Mädels mussten noch einmal in den Supermarkt, 3. das Fleisch war herrlich – zumindest als Steak am Grill, nicht jedoch für panierte Schnitzel in heißem Öl => ich musste viel „schlechtes“ Fleisch abschneiden (also die herrlich marmorierten Passagen).

Am Ende war das Mahl gelungen und wir konnten uns an einem kleinen Stück kulinarischer Heimat erfreuen (als Zwischengang nach den Schnitzeln gab es noch den „Abfall“ – wahrscheinlich das zarteste Rindfleisch für eine Ewigkeit, dachte ich, während mir das Herz blutete, dass ich den Rest davon zuvor im Öl gebacken hatte). Nichts desto trotz hätte die Stimmung an diesem Abend nicht besser und zugleich obskurer sein können…

Am nächsten Morgen gingen wir sofort zum Busterminal waren erfolgreich und ergatterten heiß begehrte Tickets für den Bus nach Buenos Aires – den Weg zurück bewältigten wir mit der U-Bahn (ja – die ist tatsächlich 36 Stunden nach dem Erdbeben wieder voll funktionstauglich gewesen).

Die rund 24 Stunden dauernde Fahrt quer über den Kontinent begann am nächsten Morgen um 10 Uhr.

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Fiji – Islands in the Sun

Unmittelbar nach meiner Ankunft am Flughafen in Nadi angelte mich bereits eine der zahlreichen Hotelvermittler und lockte mich und drei Engländerinnen in ihr Büro. Nach etwa zwei Stunden und harten Verhandlungen über Preis und Unterkunft hatten wir schließlich alles organisiert. Ich übernachtete zuerst eine Nacht in einem kleinen Backpacker in Nadi, sodass ich am nächsten Morgen nur noch auf das Boot springen musste, um nach Mana Island zu gelangen. Ich war vorsichtig und buchte zuerst nur zwei Nächte, um gegebenenfalls auf eine andere Insel weiterziehen zu können.

Meer und kueste fiji inseln

Tauchen auf den Fiji Inseln

Die Insel selbst war winzig (obwohl eine Graspiste für Kleinflugzeuge mit Ach und Krach darauf Platz fand) und beherbergte gerade einmal drei Hotels und meinen Backpacker sowie ein kleines Dorf. Das wichtigste für mich war jedoch eine kleine Tauchbasis, die zwar mit Sicherheit keine ISO oder TÜV Zertifizierung überstehen würde, aber mich dennoch nicht abschreckte, von hier aus das kristallklare Wasser zu erkunden.

strand fiji inseln

Ich verbrachte die ganze Woche hier, da ich die Stimmung und die anwesenden jugendlichen Backpacker sehr angenehm fand und ich keinen weiteren halben Tag verlieren wollte, um auf eine andere Insel zu gelangen. Ich machte zwei Tauchgänge pro Tag und kam dabei voll auf meine Kosten – neben den schönsten Korallengärten, die ich je gesehen hatte, brachten mich jede Menge Schildkröten, Haie und tausende andere Riffbewohner ins Schwärmen. Das Inselleben packte mich voll und schon nach zwei Tagen hatte ich das Gefühl, mich nie wieder um irgendetwas anderes kümmern zu müssen, außer zu essen, zu trinken und gelegentlich einen Tauchgang im „unheimlich stressigen Tagesablauf“ unterzubringen.

korallen fiji inseln

Leider verging die Woche viel zu schnell… Ich verbrachte noch einmal eine Nacht auf der Hauptinsel und hob wieder Richtung Auckland ab. Nach ein paar Stunden Aufenthalt boardete ich die Maschine nach Santiago de Chile – 11 Stunden Flug lagen vor mir!

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Neuseeland – All In One

Nach einem kurzen Spaziergang durch Christchurch ließ ich mich in einer kleinen Bar nieder, um eine ungefähre Route zur Erkundung der beiden Inseln zu finden und einfach ein wenig Flair der Stadt zu genießen. Es dauerte nicht lange bis ich mit ein paar Kiwis ins Gespräch kam, die mir letztlich über den ganzen Abend hinweg Reisetipps und Empfehlungen für meine Neuseeland Erkundung gaben. Ich freute mich über die angenehme Gesellschaft und die auffallend offene und herzliche Art der drei IT-Spezialisten und hatte auf Anhieb einen sehr sympathischen Eindruck von Land und Leuten.

Zipfer Bier in Neuseeland

Nachdem ich am nächsten Morgen meinen Van abgeholt hatte, startete ich in Richtung Süden los, um einfach einmal drauf los zu fahren und zu sehen wohin mich die Straße führt. Entlang von Obst- und Gemüsefeldern zeigten sich bereits im Landesinneren sanfte Hügelketten, in deren Richtung ich nach einiger Zeit abbog. Die Landschaft Neuseelands hier erinnert stark an Schottland oder Irland – Schafherden und die saftigen grünen Hügel wirken wie ein Postkartenmotiv (auch wenn ich gestehen muss noch nie in Schottland oder Irland gewesen zu sein…). Ich übernachtete in einem kleinen Nest entlang meiner am Abend vorher grob ausgearbeiteten Route und trank den zu meiner Überraschung im Supermarkt gefundenen Gruß aus der Heimat – Zipfer Bier!

Die Strecke am nächsten Morgen schlängelte sich zuerst kurvig durch die Hügel und obwohl das Wetter nicht gerade berauschend war strahlte mir die Sonne aus dem Gesicht. Beim Stopp am Lake Tekapo besichtigte ich das Observatorium und die kleine Schäferkapelle. Erst als ich weiter fuhr öffnete sich die Wolkendecke, sodass ich bei Ankunft am Lake Pukaki in traumhaft türkises Wasser blickte und in einiger Entfernung dahinter die Gletscher weiß auf mich herab blickten. Ich blieb alle paar Kilometer stehen, um die sich in Farbe und Sonnenlicht abwechselnde Gebirgslandschaft zu fotografieren und zog im Geiste immer wieder Vergleiche mit unseren Tiroler Gletschergebieten. Spontan entschloss ich mich die 70 Kilometer nach Aoraki bzw. Mount Cook Village zu fahren, um einen besseren Blick auf die Gletscher zu bekommen und wurde mit atemberaubenden Eindrücken auf die Seracks von Mount Cook (dem höchsten Berg Neuseelands mit 3754 Metern) belohnt. Es war erst mein zweiter Tag hier und ich war schon so begeistert, dass es für mich eindeutig schon jetzt das Highlight meiner bisherigen Reise darstellte. Ich steuerte meinen Van wieder Richtung Süden, legte hin und wieder einen Stopp zur Kaffeepause ein und stellte fest, dass das Fahren auf Neuseeländischen Straßen nicht zu vergleichen ist mit Australien – hier gab es abwechslungsreiche Bergstraßen, aufregende Landschaftseindrücke und menschenleere Gebiete zu bewundern (na gut, die hat man in Australien auch zur Genüge).

Ich beschloss meine Fahrt bis Cromwell fortzusetzen, um dort zu übernachten. Was nach einer kurzen Fahrt auf der Straßenkarte aussah, stellte sich bald als kurvige und spritfressende Passstraße heraus, sodass ich auf den letzten Kilometern vor Cromwell (basierend auf meiner Einschätzung und nicht etwa eines Navigationssystems oder einer exakten Karte) zittern musste, noch genügen Sprit im Tank zu haben. Ich glaube, in meinem ganzen Leben werde ich nie wieder in die Situation kommen, dass ich in einen 60 Liter Tank 59,5 Liter tanken werde. Nervenkitzel pur und eine wertvolle Lektion für alle weiteren Fahrten in Neuseeland – hier gibt es nicht an jeder Ecke eine Tankstelle!!!

Gebirge in Neuseeland

Das Ziel meiner nächsten Tagesetappe war Queenstown, das malerisch am Lake Wakatipu an den Berghängen liegt. Die Stadt selbst ist ein Hotspot für alle fanatischen Outdoor- und Adventuresuchenden und bietet neben Bungeejumping, Paragliding, Skydiving und sonstigen Adrenalinkicks auch wunderschöne Bergwanderungen und Entspannungsmöglichkeiten rund um den See. Da ich bereits zu Mittag in der Stadt war, beschloss ich dem See entlang noch nach Glenorchy zu fahren. Hier tat sich mir eine wahre Prachtaussicht auf die Gletscher auf, während der Fahrspaß auf der kurvigen Uferstraße ein Lächeln in mein Gesicht brachte. Die Strecke erinnerte mich immer wieder an den Chapman´s Peak Drive in Süd Afrika (von Kapstadt zum Kap der guten Hoffnung). Beim Flanieren durch den Ortskern am nächsten Tag verbrachte ich die meiste Zeit am Ufer und im Park – gelegentlich unterbrochen durch Kaffee und Speisepausen, inklusive dem im Reiseführer hoch gelobten Ferg-Burger.

Die Strecke zum Milford Sound stand am Programm des nächsten Tages und gestaltete sich genauso abwechslungsreich wie alle bisher zurückgelegten Straßenkilometer – speziell der Weg von Te Anau, wo ich meine Mittagspause einlegte, bis nach Milford Sound entpuppte sich als Hochgebirgsstraße von Felswänden umgeben und mit Sicht auf diverse Wasserfälle. Ich erreichte das Fjord erst am frühen Abend, als die untergehende Sonne aus dem aufsteigenden Dampf einen mystischen Schleier machte und musste feststellen, dass es keine freien Plätze mehr in der einzigen Unterkunft gab. Da ich für eine Fahrt zurück nach Te Anau nicht mehr genügend Sprit haben werde (ja, auch ich lerne aus Fehlern), beschloss ich, die Nacht unter freiem Himmel irgendwo an der Straße zu verbringen. Es dauerte nicht lange, bis sich mir zwei junge Israelis anschlossen, sodass wir schließlich zu dritt bei Tee und Sandwiches unter klarem Sternenhimmel den Abend verbrachten.

See in Neuseeland

Ich war rechtzeitig am Pier, um ein Ticket für die erste Bootsfahrt zu kaufen. Nach dem Auslaufen aus dem kleinen Hafen zeigte das Tiefenradar einen steilen Abhang ab innerhalb, von ein paar Metern vorwärts erreichte die Tiefe mehr als 70 Meter. Was sich unter der Wasseroberfläche abspielte, konnte ich nur erahnen. Was man jedoch über der Wasseroberfläche zu sehen bekam ließ mich mindestens genauso staunen. Die Felswände des Fjords fallen von 1700 Metern steil ins Wasser ab, der vermeintlich kleine Wasserfall hat eine stolze Höhe von 155 Metern und weit darüber blitzen die Gletscher im Morgenlicht. Eine kleine Robbenkolonie ließ sich durch den Bootsverkehr nicht beeindrucken und den Tauchern war schon auf Entfernung anzusehen, dass sie dankbar um ihre Trockenanzüge waren. Die Bootsfahrt dauerte rund zwei Stunden und hat sich mehr als gelohnt. Das steile Tal vom Wasser aus zu bewundern stellte einen vollkommen neuen Eindruck für mich dar. Außerdem hatte ich wohl großes Wetterglück, da sich normalerweise die Wolken tief in das Fjord hängen und bestenfalls kurze Blicke auf die umgebenden Bergspitzen zulassen. Guter Dinge trat ich den Retourweg nach Queenstown an. Ich beschloss eine weitere Nacht dort zu verbringen, weil Flair und Lage optimal waren und es genügend Möglichkeiten gab, am Abend auszugehen.

Den nächsten Tag verbrachte ich fast zur Gänze im Auto, was jedoch in keinster Weise von Lageweile geprägt war sondern ganz im Gegenteil so viel Vergnügen bereitete, dass ich einfach nicht halten wollte. Hinter jeder Kurve gab es neue Landschaftseindrücke zu bewundern und so legte ich an diesem Tag eine Strecke zurück, deren Vielfalt in derartig kurzer Zeit wohl kaum irgendwo zu finden ist. Von Queenstown aus zuerst über eine steile Passstraße nach Wanaka, wo sich wieder einer der zahlreichen Seen in türkis präsentierte. Am benachbarten Lake Hawea war die Wasseroberfläche so ruhig, dass ich einige perfekte Bilder machen konnte, als sich die Bergketten im Wasser spiegelten. Der Weg zur Westküste führte mich weiter über den Haast-Pass. Ich war dankbar darum, dass mein neuseeländischer Van mit besseren Bremsen ausgestattet war als mein Australischer, ansonsten hätte das hier wohl böse enden können. Ursprünglich plante ich in Haast zu übernachte, da der Ort allerdings nicht allzu viel zu bieten hatte und das Wetter auch nur durch Wolken geprägt war fuhr ich also weiter.

Next Stop: Fox Glacier und Franz-Josef-Glacier. Na gut, ich muss sagen, dass ich schon viele Gletscher gesehen und auch selbst überquert bzw. bestiegen habe, der Anblick von sich vom Gipfel nach unten schlängelndem Eis also nichts neues für mich ist. Dementsprechend verzichtete ich hier – nicht zuletzt auch wegen mangelnder Ausrüstung – auf eine hochalpine Erkundungstour. Trotzdem unterscheiden sich speziell diese zwei Gletscher von den uns im Alpenraum bekannten dadurch, dass sie sehr schnell fließen und durch die starken Niederschläge extrem schnell an Länge gewinnen oder verlieren. Von über 3600 Metern Höhe zieht sich die Gletscherzunge nach unten, weit unter die – ohnehin schon sehr tief gelegene – Baumgrenze und endet auf geschätzten 500 Metern Seehöhe. Von einem sanften, weißen Gletscherband wie es sich für typisch Europäische Gletscherschigebiete eignet kann hier auch nicht die Rede sein, da Spalten und Seracks ein imposantes „Eisblockmuster“ gestallten und eine Besteigung daher wohl sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde (von einer Abfahrt würde ich hier zumindest im Sommer sowieso abraten).

Hokita Neuseeland

Das wie eine vergessene Westernstadt anmutende Hokitika stellte letztlich meine Destination für diesen Tag dar und Dank der vielen unterschiedlichen Eindrücke war ich mehr als nur reif für das Land der Träume.

Auch der nächste Tag war von einer weiten Fahrt bestimmt und wiederum sehr kurzweilig. Den ersten Halt legte ich relativ schnell noch an der Westküste an – dort gab es eindrucksvolle Felsformationen zu bewundern, die die Brandung geschaffen und wieder zernagt hatte. Über zwei natürliche Felsbrücken spaziert man auf der Klippe entlang und sieht in das tiefe Loch, das das Wasser im Lauf der Zeit ausgespült hatte. Die Fahrt von Charleston durch das Landesinnere in Richtung Blenheim war wieder mehr vom Altbekannten – (fast) verkehrsfreie Straßen, abwechslungsreiche Natureindrücke und wenig Zivilisation. Erst die Fahrt durch das Wairau Valley stellte etwas gänzlich neues dar – das gesamte Tal dient als Weinbauregion und reiht ein Weingut nach dem nächsten entlang der Straße. Den Aufenthalt in Blenheim bzw. einen Tag später in Picton genoss ich entspannt mit „Nichts-Tun“. Die Rugby Sevens fanden gerade in Wellington statt, sodass das ganze Land sowieso nur gebannt auf diverse Flatscreens in Sportbars starrte. Eine perfekte Möglichkeit, um mit Locals in Kontakt zu kommen und sich gleichzeitig das Rugby-Regelwerk näher bringen zu lassen (allerdings nur mit mäßigem Erfolg – die wichtigste Regel, die jeder Neuseeland-Besucher im Kopf haben sollte, ist jedoch, Rugby einfach großartig zu finden und bloß keine Vergleiche mit American Football, Kricket oder sonst etwas zu ziehen – Rugby ist EINZIGARTIG!!!).

Am Sonntagmorgen boardete ich die Fähre nach Wellington, von wo aus ich gleich weiter fuhr, da sowohl das Wetter regnerisch war und auch alle Geschäfte und Cafes geschlossen hatten. Im Gegensatz zu den wenig besiedelten Regionen der Südinsel macht der erste Eindruck der Nordinsel ein gänzlich anderes Bild – ich sah die erste Autobahn auf Neuseeländischem Gebiet und war es schon fast nicht mehr gewohnt auch andere Verkehrsteilnehmer auf der Straße zu sehen. Sobald man jedoch aus dem größeren Stadtgebiet Wellington heraus kommt, beruhigt sich das auch sehr schnell wieder und man cruist in gewohnter Art der Straße entlang. Übernachtung in Wanganui.

Schafe in Neuseeland

Ich hatte am nächsten Tag die Hoffnung Mount Taranaki zu Umrunden und dabei einige Schnappschüsse zu ergattern. Leider spielte das Wetter nicht mit und ich bekam nicht mehr als die Ansätze des Vulkans zu sehen bevor die steilen Flanken in den Wolken verschwanden. In Stratford bog ich auf den Highway 43, besser bekannt als „Forgotten World Highway“. Der Name ist Programm. Am Anfang weist ein großes Schild darauf hin, dass auf den nächsten 150 Kilometern keine Tankstelle ist. Danke, aber mittlerweile bin ich schlauer geworden und die Kiste war bis zum Rand voll mit Sprit. Auf den nächsten 150 Kilometern fährt man durch Hügel und Berge, überquert vier Pässe, meistert 15 Kilometer Schotterpiste und zwängt sich durch einen Tunnel, der kaum breiter ist, als das Auto selbst. Die gesamte Fahrtzeit, inklusive zahlreicher Stopps zum Fotografieren, betrug viereinhalb Stunden.  Fahrspaß pur, auch wenn mein Van nicht nur die Farbe eines Ziegelsteins hatte, sondern auch dessen Fahreigenschaften teilte. In Taumarunui überlegte ich noch kurz, den Highway wieder zurück zu fahren – just for fun. Ich entschied mich doch zur Weiterfahrt über National Park nach Turangi. Leider hüllten sich auch die dortigen Vulkane in dicken Nebel und für die nächsten Tage gab es kaum Aussicht auf Besserung.

see und berge neuseeland horizontalDurch das Maori-Herzland gings am nächsten Tag weiter nach Rotorua. In dem Moment als ich über die Bergkuppe in die Stadt einfuhr, bemerkte ich schon den beißenden Geruch von Schwefel. Ich fragte mich, wie man hier dauerhaft leben könnte, aber offensichtlich gewöhnt man sich mit der Zeit auch an den Geruch von faulen Eiern. Nach einem Kaffe am Seeufer, wo ich hoffte, dem Geruch etwas weniger ausgesetzt zu sein, besuchte ich das Maori-Zentrum und den Ursprung des Schwefelaromas. Geysire und heiße Quellen sprudeln in regelmäßigen Abständen vor sich hin und liefern dabei jede Menge Schwefelablagerungen an die Oberfläche. Ein kurzer Barfußtest im Besucherpark machte mir klar: hier sollte man keine billigen Gummisohlen auf seinen Schuhen haben, da es leicht sein könnte, dass man auf dem rund 80 Grad heißen Untergrund kleben bleibt. Ich verbrachte ein paar Stunden im Park bzw. der Stadt selbst und setzte meinen Weg an die Ostküste der Nordinsel – genauer gesagt, Tairua fort, schließlich möchte ich tauchtechnisch auch in Neuseeland auf meine Kosten kommen.

Bei Ankunft am Tauchcenter war kein Mensch dort. Nachdem ich ein paar Minuten herum spazierte lief ein kleines Boot ein, das sich als jenes der Tauchcenterbesitzer herausstellte – die Jungs kamen gerade vom Hochseefischen zurück, sodass ich wieder Zeuge von der herausragenden Freundlichkeit der Kiwis wurde: nachdem ich meine Tauchgänge für den nächsten Tag fixiert hatte, bekam ich noch einen fangfrischen Thunfisch zum Abendessen geschenkt. Zubereitung: entschuppen, in Alufolie wickeln, auf dem heißen Grill nicht allzu lange grillen – genießen!

Bei den beiden Tauchgängen am nächsten Tag war ich dankbar für die doppelte Schicht Neopren, da das Wasser für meine Verhältnisse relativ kalt bei ca. 20 Grad war. Das tauchen hier stellte für mich komplettes Neuland dar, da an den Aldermen Islands keine Korallen vorhanden sind. Um die aus dem Wasser ragenden Felsen tummeln sich jedoch tausende Fische im Seegras und lassen sich schon auf Entfernung im perfekt klaren Wasser erkennen. Ich ließ den Tag bei einem Steak ausklingen – 783 Gramm feinstes neuseeländisches Rind. Zubereitung: Fleisch auf den heißen Grill, Salz und Pfeffer nach Bedarf, nicht zu lange grillen – genießen!

see und berge neuseeland

Meine letzte Etappe führte mich rund um die Coromandel Halbinsel nach Auckland, wo ich meinen Trip offiziell im Hafen der „City of Sails“ beendete. Auckland selbst beeindruckte mich nach den vergangenen Wochen nur wenig, wenngleich der Hafen mit seinen vielen Bars und Restaurants und dem überall hochgehaltenen America´s Cup Spirit einzigartig ist.

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Australien – Up and Down in Down Under

Der Flug von Hong Kong nach Brisbane verlief mal wieder erwartungsgemäß.  Letzte Reihe, eingeklemmt zwischen zwei australischen Muskelprotzen und Schlaf gleich null. Nach meiner Ankunft machte ich mich gleich auf die verzweifelte Suche nach meiner Camper Van Vermietung, bei der ich für die nächsten zwei-ein-halb Wochen meine mobile Unterkunft reserviert hatte. Verzweifelt deshalb, weil niemand im Büro war und ich mitten im Industriegebiet von Brisbane saß und mich darauf verlassen musste, dass die Zentrale in Sydney einen Verantwortlichen in den nächsten zwanzig Minuten schicken würde, der das Büro öffnet und mir meinen Van aushändigt (netterweise ließ mich der Taxifahrer sein Handy benutzen – endlich mal eine positive Taxifahrer-Erfahrung… Das würde einem in Indien wohl eher nicht passieren; zumindest nicht kostenlos).

Kueste Australien

Kurz und gut, nach einer dreiviertel Stunde hatte ich meinen Van und brach Richtung Norden auf, um am frühen Abend irgendwo neben der Straße meine in einer Tankstelle gekauften Sandwichs zu verdrücken und mich geistig auf zweieinhalb Wochen campen einzustellen. Um ehrlich zu sein, ich bin kein Camping-Fan und der Grund für meinen Versuch in Australien bzw. später dann in Neuseeland diese Art des Reisens zu erfahren lag vorwiegend daran, dass ich es für eine verhältnismäßig unabhängige Methode hielt und nebenbei vielleicht auch meine Berührungsängste zu Freiluftnächtigungen und Tankstellen-WCs ablegen könnte (was mir im übrigen auch gelungen ist…).

Von Hervey Bar nach Fraser Island

Mein erster Stopp war Hervey Bay. Der Ausgangspunkt nach Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt und Weltkulturerbe (von denen es im Übrigen eine ganze Menge in Australien gibt). Nachdem ich mich halbwegs organisiert hatte und, basierend auf Berichten von befreundeten Campingexperten, ein paar Dinge für das Überleben in der freien Wildbahn (okay ich übertreibe, auf Autobahnraststätten und Campingplätzen) eingekauft hatte, begab ich mich in die nächst beste Bar wo ich auch gleich mit ein paar Leuten inklusive einer Salzburgerin ins Gespräch kam. Dummerweise wurde es wieder ziemlich spät bis ich ins Bett kam, sodass mir nur drei Stunden Schlaf blieben bis mich der Bus zur Fähre nach Fraser Island abholte. Die frische Luft an Bord tat gut, die Busfahrt über die Sanddünen weniger… Nichts desto trotz verflog das mulmige Gefühl beim ersten Spaziergang durch den Regenwald durch die entspannende Atmosphäre in Mitten von kleinen Bächen, Baumriesen und australischem Wildleben. Die Insel ist durchzogen von zahlreichen kleinen Sandpisten auf denen sich der Bus überraschend zügig fortbewegt. Um allerdings lange Strecken in angemessener Zeit zu bewältigen muss man schon den „Highway“ nehmen. Nachdem sich am Strand sowieso niemand aufhält, weil Hitze und Sonneneinstrahlung zu stark sind, das Vergnügen im Meerwasser schnell getrübt werden kann durch Haie und lebensbedrohliche Quallen und der Wind einem den Sand in die entlegensten Körperöffnungen treibt, gilt auf ebendiesem 120km langen Strand Tempolimit 80. Somit erreicht man auch die Champaign Pools, ein Schiffswrack und den kleinen „Flughafen“ am Strand innerhalb kürzester Zeit. Die wahren „aha´s“ und „oh´s“ kommen einem allerdings erst über die Lippen, wenn man vor einem der zahlreichen Süßwasserseen steht und in Mitten von Urwaldvegetation in das klarste Wasser blickt, das man sich vorstellen kann.

Australien Strand

Die Übernachtung im geschützten Camp verging schnell. Am Vormittag des zweiten Tages besuchten wir spektakuläre Sanddünen und Felsnasen bevor die Fähre auf das Festland übersetzte. Die Fahrt im Van verlief unspektakulär – auch wenn der mangelhafte Zustand meiner Bremsen für gelegentlichen Nervenkitzel sorgte – sodass ich am Abend irgendwo entlang des Highways meine Vorhänge zuzog und einschlief. Erst am Ende meines Australienaufenthaltes sollte ich erfahren, dass das Campieren neben der Straße entgegen landläufiger Meinung nicht erlaubt ist.

Airlie Beach: Der Ballermann Australiens

Meine nächste Destination war Airlie Beach. Der Ausgangspunkt zu den Whitsunday Islands und dem südlichen Great Barrier Reef. Nach meiner Ankunft stellte ich fest, dass dieser Ort das ganze Gegenteil eines ruhigen Küstenstädtchens ist sondern in Wirklichkeit der Begriff Ballermann eher zutrifft und zahlreiche Backpacker, Kneipen und Jugendherbergen das nötige unternehmen, dieses Image auch weiterhin zu halten – kurz gesagt, Party-Zone schlechthin, aber mit Sicherheit keine Destination für Familien- oder Pärchenurlaube. Ich buchte mich auf einem dreitägigen Segelturn zum äußeren Riff ein und versuchte mich auf die laute Partyatmosphäre einzustimmen – mit mehr oder weniger großem Erfolg, schließlich war ich das Feiern und Festen nicht mehr gerade gewohnt…

Während ich am Pier darauf wartete das Boot zu boarden, kamen reihenweise 18-19 jährige Aussies mit Paletten von Bier anspaziert und ich befürchtete, dass die drei Tage auf dem Boot zu einem Martyrium werden, das vor allem durch Trinkspiele und das Über-Bord-Gehen von vorangegangenen Hauptmahlzeiten geprägt sein würde. Zu meinem Glück stellte sich jedoch heraus, dass diese fidelen Kumpanen auf andere Boote gingen und die Leute auf meinem Cruise genauso wie ich einen eher entspannteren und ruhigeren Ausflug planten (bei dem Spaß und Bier dennoch nicht fehlten).

Die modifizierte 25 Meter lange Sportsegeljacht konnte auf Grund eines Defekts am Motor nur verspätet ablegen und unser Captain beichtete uns vor dem Segel hissen, dass einige Techniker am nächsten Morgen noch einmal an Bord kommen würden, um das Problem zu beheben. Die Stimmung an Bord war dennoch hervorragend und kurz nach dem Auslaufen setzten wir zum ersten Mal die Segel. Das ist vielleicht harte Arbeit so ein Segel in 27 Meter Höhe zu ziehen. Ich fragte mich, warum das im Fernsehen bei diversen America´s Cup und Volvo Ocean Race Übertragungen immer so leicht aussah. Wenn man dann aber plötzlich spürt wie der Wind das Boot durch das Wasser zieht, dich das Deck in einen steilen Winkel zum Horizont legt und der Motor abgeschaltet wird, vergisst man die Ansätze des akut aufgetretenen Muskelkaters vom Segelsetzen.

segeln in australien

Der nächste Tag startete leider mit einer schlechten Nachricht: da der Motor nicht repariert werden konnte, war es uns nicht möglich an das äußere Riff zu fahren, was zweifelsfrei für eine Portion Frust an Bord sorgte. Trotzdem versuchte die Crew ihr bestes, um alle bei Laune zu halten und versprach uns einige Traumspots in der Inselregion. Dazu gehörten auch ein paar Landgänge und ein paar Tauchgänge. Alles in allem waren die drei Tage an Bord der „Spank Me“ (keine Ahnung wie man sich so einen Namen für ein Boot einfallen lassen kann) eine einzigartige Erfahrung, die einerseits mein Interesse fürs Segeln geweckt hat und mich andererseits einige tolle Menschen aus aller Herren Länder kennen lernen ließ.

Zurück an Land startete ich zusammen mit einem Schweizer und einem Bayern in Richtung Townsville weiter, wo wir uns am Abend auch wieder mit ein paar Italienern zum Grillen am Strand verabredeten. Townsville selbst würde man nicht in Australien vermuten, wenn man es sieht, da Architektur und Straßenleben meiner Meinung nach äußerst untypisch sind zu allem, was ich vorher in Australien erlebt hatte. Am Morgen besuchten wir noch das Reef Headquarter Aquarium und das Schildkröten-Hospital. Wenigstens konnte ich hier ein paar Riffeindrücke sammeln, wenn auch nur hinter zentimeterdickem Panzerglas.

Die 700km nach Cairns hätten nicht langweiliger sein können. Die schnurgerade Straße führt „brettleben“ durch Wälder, Aussicht gibt’s praktisch keine und besondere Sehenswürdigkeiten liegen auch nicht am Weg. Ich war dankbar für die Unterhaltung mit meinen beiden Weggefährten. In Cairns angekommen, ereilte uns die nächste nicht gerade berauschende Nachricht, dass ein Wirbelsturm im Anmarsch sei und wir im allerschlimmsten Fall die Stadt nicht mehr verlassen könnten (schließlich musste ich ja meinen Van in Cairns wieder abgeben, um dann nach Sydney weiter zu fliegen). Ich hatte Glück und konnte dennoch abfliegen, auch wenn die zwei Tage in Cairns ausschließlich von heftigem Regen geprägt waren.

Sydney und eine australische Erkenntnis

Gleich am ersten Morgen stand natürlich ein Spaziergang zum Hafen auf dem Programm, um die weltberühmte Oper und die Hafenbrücke zu besichtigen. Der Weg von meiner Jugendherberge zum Hafen verlief entlang der bekannten George Street, wo sich Wolkenkratzer und alte viktorianische Stadthäuser im Einklang abwechseln. Der Blick über den Hafen raubte mir den Atem. Nicht zu letzt auch deshalb, weil man das Opernhaus nur von Bildern kennt und jetzt plötzlich davor steht und genau die gleich Perspektive hat. Bei genauerem Hinsehen muss ich jedoch sagen, dass die Oper nur von weitem durch ihre eigenwillige Architektur begeistert – aus der Nähe ist sie meiner Ansicht nach nur ein Betonbau, der beinahe schon 70er Romantik ausstrahlt. Den Weg auf die Hafenbrücke sparte ich mir und verbrachte den Nachmittag im nahe gelegenen Park. Ich hatte gemischte Gefühle über meinen Australienaufenthalt und fragte mich, ähnlich wie die meisten Europäer mit denen ich im Laufe der letzten Wochen gesprochen hatte, was dafür der Grund war. Alles Gesehene war zweifelsfrei schön und interessant, dennoch hatte ich nicht das Gefühl absolute Einzigartigkeit erlebt zu haben. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch geschraubt. Außerdem musste ich feststellen, dass die klischeehafte Beschreibung der typisch australischen Mentalität von Entspanntheit und Easy-Going nur selten zutraf. Stattdessen hatte ich das Gefühl, durch diverse Sicherheitshinweise in allen möglichen und unmöglichen Situationen, in den USA gelandet zu sein (natürlich mit unschwer erkennbarem britischen Einfluss), wo jeder Angst hat, dass er bei nicht entsprechender Warnung und Panikmache gleich verklagt würde.

Oper in sidney

Der Ausflug in die Blue Mountains brachte mir letztlich ein versöhnliches Ende mit Australien. Im Minibus genoss ich die Aussicht über die Stadt, während sich dieser die kurvige Straße auf das Hoch Plateau der Blue Mountains hinaufschlängelte. Zum ersten Mal bekam ich Kängurus und Kakadus zu Gesicht und erfreute mich an der fast schon alpinen Aussicht über die Canyonlandschaft. Stopps an Wasserfällen, den „Three Sisters“ – einer dreitürmigen Felsformation – und einem Regenwalderlebnispark machten den Tag wirklich interessant und abwechslungsreich. Nach der Fahrt mit der steilsten Standseilbahn der Welt (die ist wirklich verdammt steil!) hinunter in den Canyon machte der Regenwald seinem Namen alle Ehre und es kübelte aus den Gewitterwolken was das Zeug hielt. Dank guter Ausrüstung konnte ich dieses Spektakel richtig genießen und wurde zugleich auch noch Zeuge davon, wie zwei neue Wasserfälle entstanden und laut über die Klippe donnerten.

An meinem letzten Tag in Australien hatte ich das Glück den Australia Day miterleben zu können. Tausende, wenn nicht sogar Millionen Menschen tummelten sich den ganzen Tag über am Hafen, die ganze Stadt war in den Nationalfarben Grün-Gelb bzw. mit Australienflaggen geschmückt, im Hafen fanden die berühmten Bootsrennen statt und über der Harbor Bridge (die ich an diesem Tag dann endlich auch bestieg) zog eine Quantas 747 ihre Runden. Alles in allem, war die ganze Stadt eine einzige entspannte Partymeile und bot tausende Möglichkeiten, Konzerten und Aufführungen von Künstlern seine Aufmerksamkeit zu schenken. Das alles steht jedoch im Hintergrund, wenn man sich das traditionelle Feuerwerk am Abend reinzieht… So etwas hab ich noch nie gesehen! Über eine halbe Stunde lang steigert sich das mit Licht- und Sound-Effekten untermalene Riesenfeuerwerk bis letztlich die Raketen von den umliegenden Wolkenkratzern abgefeuert werden. Es war ein schöner Ausklang meines Aufenthaltes in Down-Under. Nichts desto weniger war die Vorfreude auf meine nächste Destination schon so groß, dass ich am nächsten Morgen gern zum Flughafen fuhr, um in Richtung Christchurch einzuchecken.

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Hong Kong – Großstadt pur

Dreieinhalb Tage Hong Kong standen im starken Kontrast zum winzigen Koh Lipe. Erstens war das Wetter geradezu winterlich (soll heißen: Regen bei ca. 15 Grad), zweitens wirkt die Stadt als wäre sie der Ursprung der Zivilisation im Sinne von architektonischem Einfallsreichtum und drittens tummeln sich hier Tag und Nacht Millionen von Menschen auf den Straßen, unweit des Zockerparadieses Macau auf der anderen Seite des Perlflussen mit seinen Casino Spielen.

Bootsrundfahrt Hong Kong

Die halbtägige Stadtrundfahrt am Morgen nach meiner Ankunft ließ mich die Stadt in ihrem Ausmaß ein wenig besser begreifen und war nebenbei noch eine angenehme Methode herum zu kommen ohne dabei durch den Regen aufgeweicht zu werden.

In den darauf folgenden Tagen spazierte ich ausgiebig durch Downtown Hong Kong und Kowloon. Angefangen von riesigen Luxus Shopping Zentren bis hin zu schmuddeligen kleinen Gassen, in denen fernöstliche Spezialitäten in mobilen Garküchen vor einem zubereitet werden. Neben den prächtigen Wolkenkratzern im Central Business District, allem voran natürlich der Bank of China Tower und die beiden IFC Türme, stechen einem auch die an die Hänge geklebten Wohnblöcke auf, in denen unter engsten Bedingungen tausende Menschen ihre Bleibe haben und oft nicht mehr als ein paar Quadtratmeter Privatsphäre zur Verfügung haben (und dafür trotzdem horrend hohe Mieten bezahlen). Definitiv nichts für mich – und plötzlich findet man auch die Mietpreise in Tirol gar nicht mehr so überzogen teuer…

Die Gegensätze der Stadt spiegeln sich überall wieder und so kam es mir schon etwas seltsam vor, dass einem vor den Luxusgeschäften von Rolex und Prada sogen. „Sales Agents“ ansprechen und einem „Fake Watches“ und „Taylor Suits“ andrehen möchten, natürlich garantiert zum besten Preis in der Stadt! Somit muss man wenigstens sein Glück nicht bei einer Partie Black Jack im benachbarten Macau unter Beweis stellen.

Hong Kong bei Nacht

Durch das regnerische Wetter suchte ich einige Male Unterschlupf in einem der tausenden (no joke!) Starbucks Cafes und schaffte es tatsächlich mit einer Deutschen, die ich in Thailand kennen gelernt hatte zu treffen. Ich freute mich über das spontane Zusammenkommen und genoss die Gesellschaft in der Großstadtanonymität. Am letzten Abend wartete ich noch wie viele andere an den Piers in Kowloon auf die allabendliche Lasershow über den Dächern der Stadt. Nach der Vorstellung der einzelnen Gebäude mit jeweils eigenwilliger Lichtdekoration begannen die Millionen LEDs, Laser und Scheinwerfer im Klang zur Musik aus den Lautsprechern abwechselnd zu leuchten, funkeln und strahlen und versetzten den gesamten Hafen in eine spektakuläre Bühne. Zu meiner großen Freude konnte ich diese Momente wirklich toll auf meiner Kamera festhalten.

Wie zum Hohn war das Wetter am Tag meiner Abreise wolkenlos und angenehm warm, sodass ich den Vormittag noch damit verbrachte, ein paar Stunden in der Sonne zu verbringen und die Seele baumeln zu lassen.

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Thailand – Kultur, Abenteuer und Strand

Die Ankunft in Bangkok war eine der angenehmsten Überraschungen meiner Reise. Die heiße Vormittagssonne strahlte vom blauen Himmel und auf meiner Fahrt mit dem Taxi in die Stadt benutzte der Fahrer kein einziges Mal die Hupe! Eine gänzlich neue Erfahrung für mich auf dieser Reise. Überhaupt schien mir nach Delhi, dass Bangkok die sauberste Stadt der Welt sein muss. Da ich während des Fluges nicht viel geschlafen hatte, beschloss ich den heutigen Tag im Hotel bzw. in der näheren Nachbarschaft zu verbringen und die Atmosphäre der Metropole auf mich wirken zu lassen.

Tempel Thailand

Das einzig irritierende für jemanden, der sich wirklich wenig mit fernöstlicher Kultur auseinander gesetzt hat, war die Tatsache, dass an jeder Ecke Weihnachtslieder aus den Lautsprechern dröhnten und ich mich fragte, warum, auch wenn heute zufällig der 24. Dezember ist, Dean Martin sein „Let it snow“ bei 32° Celsius zum besten geben muss. Naja, Tourismus und Globalisierung machen ja bekanntermaßen auch vor kulturellen Unterschieden keinen Halt. Ich wartete gespannt aber vergebens darauf, den ersten Coca Cola Weihnachts-Truck zu sehen.

Sightseeing in Bangkok

Meinen ersten vollen Tag in Thailand verbrachte ich zur Hälfte auf einer Stadtrundfahrt mit Tempelbesichtigungen und auf einer Bootstour durch die Kanäle in Bangkok. Das typische Touristenprogramm in geführten Gruppen ist definitiv nichts für mich, aber andererseits die beste Variante um leicht die bekanntesten Sehenswürdigkeiten zu besuchen und einen schnellen Eindruck über Kultur und Denkweisen zu bekommen. Die Rundfahrt brachte mich unter anderem zum größten liegenden Buddha und dem Königstempel, der besonders durch architektonische Vielfalt und Größe beeindruckt.

Bootstour Bangkok

Die Bootstour am Nachmittag war eine sehr willkommene Abwechslung zu den sonst eher trockenen Stadtrundfahrten. Vor allem durch das außergewöhnliche „Früchtebuffet“ an Bord – auf diese Art und Weise konnte ich allerlei lokale Früchte probieren und kennen lernen und gleichzeitig die Stadt aus einem anderen Blickwinkel aus erleben.

Ich hatte über einen Facebook Eintrag eines Kollegen ein paar tolle Fotos von alten Tempelanlagen nördlich von Bangkok gesehen und wollte dort unbedingt hin. Nach kurzer Recherche fand ich den Ort und die beste Transportmöglichkeit. Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Zug nach Ayuthaya . Ich war guter Dinge und verließ mich auf meinen Reiseinstinkt, um durch den Tag zu kommen. Die Zugfahrt war sehr angenehm und interessant, da man einen kleinen Einblick in das wahre Leben der Thais bekommt. Neben Schulkindern und älteren Damen, die offensichtlich vom Einkaufen in Bangkok kamen, tummelten sich in den Wagons auch einige Familien, deren Reiseziel wohl um einiges entfernter lag als meines.

In Ayuthaya angekommen mietete ich, trotz Abraten von einigen Leuten, einen TukTuk-Fahrer, der mir in üblicher Manier schon am Bahnhof entgegen lief und mir Postkarten von Sehenswürdigkeiten zeigte und 1000%ig versicherte, dass ich bei ihm den besten Preis bekommen sollte. „Was solls!“ dachte ich, verhandelte kurz über den Preis, warf noch einen kurzen Blick in die Stadtkarte (nur um eine ungefähre Ahnung von Richtung und Entfernung zu bekommen) und gab meinem Fahrer eine Chance. Entgegen allen Geschichten, die ich über die berüchtigten zur Shopping-Tour ausartenden TukTuk Fahrten in Bangkok gehört hatte, erwies sich diese Entscheidung als goldrichtig, sodass ich im Laufe des Vormittags einige wunderschöne Tempelanlagen sicher und bequem erreichen konnte. Neben der größten goldenen Buddha-Statue besuchte ich auch die alten und teilweise verfallenen Tempelanlagen, die mein Interesse geweckt hatten.

groeste buddha statue der weltAls ich die Mittagshitze in einem kleinen Straßencafe verbrachte kam ich mit einem Kriegsveteran und der Kellnerin ins Gespräch, sodass die Zeit nur so verflog. Ich freute mich über die Unterhaltung und die offene Art der beiden. Das ist es was Reisen für mich bedeutet: Leute kennen lernen, sich unterhalten und voneinander lernen, aber auch Spaß zu haben und gewisse Risiken einzugehen!

Zurück nach Bangkok gings dann wieder mit dem Zug, der von Schulkindern geradezu belagert wurde und mich schmunzelnd an meine Schulzeit erinnerte. Offensichtlich sind Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg auf der ganzen Welt gleich laut und chaotisch (genauso wie ich eben den ganzen Bus unterhielt – damals!).

Am nächsten Tag brach ich meine Zelte in der thailändischen Metropole ab und flog nach Chiang Mai im Norden des Landes. Dummerweise hatte ich mir eine Magenverstimmung eingefangen und war nicht gerade in Unternehmerlaune, sodass ich die ersten zwei Tage in meiner Unterkunft verbrachte und nur ein paar Spaziergänge durch die zweifelsfrei sehr touristische Stadt unternahm. Nichts desto trotz ist das Flair in Chiang Mai speziell und lädt zum Verweilen ein. Speziell die vielen Straßencafes und der Nachtmarkt ließen die Zeit wie im Flug vergehen (eine Aussage, die ich im Übrigen überhaupt nicht verstehe, denn mir scheint, dass die Zeit auf einem Langstreckenflug genau gar nicht vergeht!).

Für den darauf folgenden Tag buchte ich eine Trekking-Tour in den Hügeln, die Chiang Mai umgeben. Nach einer kurzen Busfahrt startete die kleine Gruppe los zum Elefantenritt. Im Gegensatz zu den hoch touristischen „Elefanten-Taxis“ am Amber Fort in Jaipur genoss ich die Atmosphäre hier und stapfte gemeinsam mit einer deutschen Urlauberin, die in Hong Kong arbeitet, auf dem Rücken des Dickhäuters durch den Dschungel. Da es für die Elefanten keine richtige Verwendung mehr gibt, werden sie von der lokalen Bevölkerung dafür genutzt, Touristen zu beglücken, während sie von ebendiesen mit unzähligen Bananen versorgt werden. Es war wirklich ein Spaß zu sehen, wie alle halben Minuten der Rüssel nach oben kam und nach der nächsten Banane verlangte! Außerdem kommt einem schon das Lachen über die Lippen, wenn man einem Babyelefanten zusieht wie er verzweifelt versucht in einem Flussbett mit den Schritten der Mutter mitzuhalten. Zur Mittagszeit spazierten die Gruppe entlang von Reis- und Sojafeldern in den Urwald bis wir an einen kleinen Wasserfall kamen, an dem die Mittagshitze angenehm erträglich war. Wie üblich spielte ich mit meiner Kamera herum, um den Wasserfall und die kleine Lichtung möglichst authentisch in den Kasten zu bekommen. Ich könnte wohl Stunden damit verbringen, Wasserfälle, Kleintiere und sonstige Motive aus allen unterschiedlichen Blickwinkeln und mit diversen Effekten abzuknipsen…

Nach einer Stärkung in einer kleinen Spelunke am Straßenrand, in der es eindeutig besseres Essen gab, als in vielen „Restaurants“ in denen ich in Indien versuchte einem sicheren Ticket auf die Porzellanschüssel auszuweichen,  fuhren wir wieder zurück nach Chiang Mai wo ich den Abend in einem gemütlichen Straßencafe bei einem Bier ausklingen ließ.

Mein letzter voller Tag in Chiang Mai stellte sich als ziemlich anstrengend aber auch faszinierend heraus. Gleich um  sechs Uhr morgens holte mich der Kleinbus ab, um in Richtung Chiang Rai und Goldenes Dreieck am Mae Kong aufzubrechen. Auf dem Weg in den hohen thailändischen Norden, stoppte der Bus an einer heißen Quelle, aus der das Wasser in hoher Fontaine herausschoss. Der Stopp in Chiang Rai ließ mich Zeuge eines der wohl kitschigsten Bauwerke der Welt werden. Ein zeitgenössischer Künstler glaubt hier sich in einem Tempel verewigen zu müssen und gestaltete dabei eine Tempelanlage mit Sichtbeton bzw. weiß-silberner Fassade. Auch wenn die Sonne mit knappen 35 Grad auf einen herunter brennt, erinnert die gesamte Anlage spontan an den Weihnachts-Schnee-Spray, den man bei uns auf Christbäume und Fensterscheiben sprüht. Ach, wie geschmackvoll! Nächster Halt auf dieser offensichtlich auf die letzte Minute geplanten Tour war dann der Mae Kong und die Bootsfahrt auf selbigem. Der Grenzfluss zu Laos und die berühmte Opiumdrehscheibe im Dreiländereck mit Myanmar bestechen nicht besonders, allerdings machte sich bei mir das Gefühl breit wieder hierher zurückkehren zu müssen und tiefer in die Kulturen von Laos, Kambodscha und Vietnam vorzudringen. Das ist wieder typisch für mich; gerade einmal ein paar Wochen von zu Hause weg und noch lange nicht wieder zurück im kalten und überregulierten Mitteleuropa und bereits die nächsten Reisen geistig geplant… Ich muss über mich selbst schmunzeln! Nach einer kurzen Pause am Grenzübergang zu Myanmar, dem nördlichsten Punkt Thailands. hielten wir noch in einem Dorf der Longnecks. Da ich zu diesem Zeitpunkt heftige Diskussionen am Handy mit dem Reisebüro in Chiang Mai bezüglich meiner Weiterreise in den Süden Thailands führte, blieb ich etwas zurück von der Gruppe. Als ich damit fertig war und mich darüber freute, dass ich tatsächlich noch eine Unterkunft auf der winzigen Insel Koh Lipe ergattern konnte, kam ein kleines Mädchen auf mich zu und schenkte mir eine Blume vom Wegrand – welch nette Geste dachte ich und lächelte freundlich zurück. Meine Freude währte allerdings nur kurz, als mich ein deutsches Pärchen darauf aufmerksam machte, dass die Kleine jetzt mindestens zehn Baht dafür haben möchte. Ich war schockiert, dass hier die Kleinsten schon darauf abgerichtet werden, ihr Lächeln für Geld einzusetzen. Widerwillig drückte ich ihr die Münze in die Hand und dachte darüber nach, wie die Welt in anderen Teilen der Welt funktioniert und wohin sich das ganze entwickeln wird. Diesen Gedanken noch gar nicht aus dem Kopf gelangte ich zu einer Ansammlung von Marktständen – die Sonne ging bereits hinter den Hügeln unter. Der vorherige Schock war sofort vergessen und wich purer Entrüstung, als ich bemerkte, dass das „Longneck“-Dorf in Wahrheit nur ein paar Stände waren, an denen diverse Handwerksartikel vermarktet wurden und zwischendrin ein paar Mädchen – höchstens 15 Jahre alt – posierten (na ja, weniger posierten als einfach nur frustriert da saßen) und ihre Langhälse inklusive der entsprechenden Halsverlängerungswerkzeuge (Metallringe, die von Zeit zu Zeit erweitert werden) präsentierten. Ich fühlte mich, wie der Besucher eines Zoos mit menschlichen Schaustücken und verließ den Ort, um beim Bus zu warten. Als man mir nachher noch erklärte, dass die einst traditionelle Halsverlängerung heute nicht mehr praktiziert würde, sondern ausschließlich für touristische Zwecke an den hübschesten Mädchen im Dorf vollzogen wird, konnte ich meinen Unmut darüber nicht mehr zurück halten und leitete diesen auch an das entsprechende Tour-Büro weiter (wo man im Übrigen auch überraschend viel Verständnis zeigte… – ich bezweifle dennoch, dass sich etwas ändern wird).

Einen halben Tag verbrachte ich damit, von Chiang Mai über Bangkok nach Hat Yai im Süden Thailands zu fliegen und in einer kleinen Herberge in der Nähe des Fährenpiers in Richtung Koh Lipe unterzukommen. Es war dunkel, aber noch immer heiß und extrem schwül. Die Ameisen belagerten die gesamte Terrasse, auf der ich noch einen Whiskey zu mir nahm. Morgen geht’s auf die Trauminsel (zumindest laut Lonely Planet!).

Die schönste Insel der Welt

Die zweistündige Fahrt auf dem Schnellboot ließ schon erahnen wie sich die Inselgruppen westlich von Koh Tarutao präsentieren würden. Türkises Wasser, immergrüne, dicht bewachsene Eilande und Korallengärten unter der Wasseroberfläche. Das schien mir der perfekte Ort, um den Jahreswechsel zu verbringen, ein wenig tauchen zu gehen und die Seele baumeln zu lassen…

schoenste insel der welt

Die Ankunft überraschte mich nicht wenig: während ich mit den anderen Passagieren auf einer Plattform in der Bucht darauf wartete, auf ein Longtail-Boot umzusteigen, stellte ich bereits fest, dass aus den wenigen im Reiseführer erwähnten Strandbars und Hotels bereits deutlich mehr geworden sein mussten. Bei Ankunft am Strand zeigte sich dann weiters, dass das hier offensichtlich der bekannteste „Geheimtipp“ der Welt sein muss, da es vor lauter Menschen hier geradezu wimmelte. Ich war dankbar überhaupt eine Unterkunft gefunden zu haben und checkte im größten Hotel auf der Insel ein, das auch gut an die Adria oder die bekannten Hotspots in der Türkei oder Ägypten erinnert hat – von geregeltem Ökotourismus oder Nachhaltigkeit hat man hier offensichtlich noch nie gehört… Naja, nichts desto trotz sah ich meinem Aufenthalt hier freudig entgegen und konnte es nicht mehr abwarten ins Wasser zu kommen. Beim Spaziergang über die Insel (auf der es weder Autos noch Straßen gibt, d.h. die WIRKLICH winzig ist) zeigte sich bald, dass offensichtlich seit der Tsunamikatastrophe alles daran gesetzt wurde die Insel zu zivilisieren und mit hunderten Touristenshops, und Bars zu übersähen. Das unter französischer Leitung stehende Tauchzentrum war schon seit Jahren hier und sollte für die nächsten Tage mein bevorzugter Platz werden, um Leute kennen zu lernen und gemütlich bei einem Bier über das zwanglose und entspannte Leben auf einer kleinen Insel nachzudenken.

Die Tauchgänge in den darauf folgenden Tagen zeichneten sich nicht durch besondere Fischvielfalt aus, hatten aber durchaus prächtige Weichkorallenvielfalt und Dank starken Strömungen auch einiges an Action zu bieten; die Purzelbäume der gesamten Tauchgruppe im „Expressway“ (der Name ist Programm) sorgten für spontanes Lachen unter Wasser. Wie gesagt, außer nach ein paar Tauchgängen und ausgiebigem Faulenzen war mir hier nicht zu Mute – wozu auch, wenn man feststellt, dass man nicht mehr braucht zum Leben, als etwas zu essen, zu trinken und einem gelegentlichem Bad im Meer…das Leben kann so einfach sein!

Nachdem ich den Jahreswechsel auf Koh Lipe gut überstanden hatte, trat ich meine Weiterreise nach Hong Kong an, was mich wieder einiges an Zeit kostete, dafür aber meiner Vorfreude neue Höhen verlieh. Schon seit ich 16 Jahre alt war, träumte ich, inspiriert durch die Reiseberichte eines Bekannten, davon, einmal in die fernöstliche Metropole zu kommen.

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Indien – Rajastan Rundreise mit dem Auto

Also gut . Da kam ich also in Indien, genauer gesagt in Delhi an. Ich war ja Dank der schillernden Berichte einer Kollegin, die vor zwei Wochen aus derselben Stadt von einer Geschäftsreise zurück gekehrt war, bestens über die Verhältnisse auf den Straßen, in den Städten, über die Menschen und die Kultur unterrichtet worden. Außerdem begibt man sich nicht als voller Ignorant auf eine Weltreise und studiert brav einen Reiseführer (der zu meiner Überraschung einige Dinge sehr kritisch ansprach und mich davon überzeugte, dass es auf Grund meines von vornherein schon sehr kurzen Aufenthaltes in Indien besser wäre im Vorfeld zumindest einen verlässlichen Fahrer zu organisieren).

Taj Mahal in Indien

Also wieder zum Anfang. Und ich entschuldige mich hier gleich mal für meine Abschweifungen, die jedoch von jedem Leser auch als Merkmal einer Weltreise gesehen werden können, schließlich kommen viele Dinge anders als erwartet, was nicht das schlechteste sein muss. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt lief nach dem selben Schema ab wie ich es aus Zimbabwe kannte – zuerst geiert eine Horde Taxifahrer darum, einen fahren zu dürfen und bestätigt zu wissen wo das gesuchte Hotel sei. Am Ende kurvt man Stunden durch eine Nachbarschaft und versucht sich im Türschild-Lesen, bis einen der Taxifahrer in voller Verzweiflung über diesen hartnäckigen Europäer beinahe einfach vor die Tür setzen will. Nach drei Stunden des umherirrens fanden wir schließlich das Hotel. Zu diesem Zeitpunkt machten mir die Nacht in der Holzklasse von British Airways und der Smog schon ziemlich zu schaffen und ich war nur noch froh, bald ins Bett zu kommen.

Am nächsten Tag pünktlich um acht lernte ich meinen Fahrer für die nächste Woche kennen. Ich musste erfreut feststellen, dass die „organisierte“ Reise – deren Freund ich normalerweise nicht gerade bin, eine sehr intime sein wird, da ich der einzige Gast im Auto war. Die Fahrt aus der Stadt war unspektakulär, zumindest nach indischem Standard. Verkehrsregeln gibt es nicht, die Hupe ist das wichtigste und einzige an einem Fahrzeug, das funktionieren muss und auf dem Highway begegnen einem auch Karren, Rikschas und andere Gefährte. Ich kannte ähnliche Verhältnisse bereits aus meiner Zeit in Südafrika und schlief im Auto ein.

Das Taj Mahal – beeindruckend trotz Touristenmassen

Zu Mittag kamen wir in Agra an und ich startete sofort zur Besichtigung des weltberühmten Taj Mahal. Ein Prunkbau aus feinstem, weißem Marmor, erbaut als Mausoleum für die Frau des Maharadschas im 17. Jahrhundert. Besonders beeindruckten hier die Marmor-Einlegarbeiten – die farbenfrohen „Malereien“ sind in Wirklichkeit farbige Steine, die in den Marmor eingearbeitet wurden und prächtige Ornamente und Muster ergeben. Die gesamte Anlage strahlt majestätischen Glanz aus und lädt trotz touristischem Trubel zum Verweilen ein. Meine Freundin hätte sich mit Sicherheit schon als Maharani durch den Park wandern sehen. Für mich ging der Besichtigungstrip gleich weiter zum Red Fort – der Wehranlage in Agra. Eine ebenfalls durch Größe und Prunk beeindruckende Festung mit direktem Blick auf den Taj Mahal.

Ausflug nach Fatehpur Sikri

Der nächste Tag der Reise führte mich nach Fatehpur Sikri – einer Geisterstadt, die auf Grund von Wassermangel zu Maharadscha-Zeiten nur kurz bewohnt war. Durch meine frühe Ankunft am Morgen, strahlte die Sonne flach auf die mächtigen Sandsteinbauten und tauchte die ganze Anlage in mystisches Rot. Wie zu jener Zeit üblich, spiegelt sich in der Bauweise der einzelnen Palastgebäude die Religion der jeweiligen Frau des Maharadschas wieder – ein Palast in christlicher, einer in muslimischer und einer in Hindu-Bauweise.

Vogel in Indien

Den Nachmittag verbrachte ich in einem außergewöhnlichen Vogelschutzgebiet, in dem ich einige großartige Bilder von Eisvögeln und Schwarzstörchen machen konnte. Obwohl die Tour mit der Rikscha meines Wissens nach nur zwei Stunden hätte dauern sollen, verbrachte ich beinahe doppelt so viel Zeit hier, was sich am Ende als heftiges Streitthema zwischen meinem Fahrer, den beiden Tourguides und mir herausstellte, da man natürlich für die zwei zusätzlichen Stunden bezahlen musste, mein Fahrer schon vor Stunden aufbrechen wollte und ich hartnäckig erklärte, dass ich mehrfach auf das Zeitlimit hingewiesen hatte. Geschäft auf indisch eben. Auf der 200km langen Strecke zum Rathambore Nationalpark wurde mir schließlich bewusst, warum mein Fahrer darauf drängte rechtzeitig los zu fahren. Die fünfstündige Fahrt verlangte nicht nur ihm sondern auch mir als Beifahrer ein ganzes Stück Nerven ab. Chaos total in der Dunkelheit mit Schlaglöchern, LKWs und dem üblichen indischen Straßenwahnsinn. Ich vertraute meinem Schutzengel und lauschte dem Sound von Vanessa Mae auf meinem iPod.

Safari in Indien

Am nächsten Morgen ging’s gleich sehr zeitig los zur ersten Safari in den Nationalpark. Mit meinen Erinnerungen an die heißen Safaris in Südafrika und Kenia kuschelte ich  mich unter die Decken auf dem offenen Safarijeep – ich war dankbar für die Winterjacke in meinem Rucksack, da ich den indischen „Winter“ beinahe unterschätzt hätte.

Durch eine enge Schlucht ging es zuerst in das Schutzgebiet wo sich sanfte Hügel mit Felsklippen, kleinen Seen und Buschland vermischten. Eine Menge Großgazellen sorgten hier für die ersten „Ahh“s und „Ohh“s auf meinem Jeep. Die Guides hielten ständigen Funkkontakt untereinander, um eventuellen Tigersichtungen nach zu spüren und es dauerte nicht allzu lange bis wir Erfolg hatten. Der Anblick der mächtigen Raubkatze war wohl eine der schönsten Erfahrungen auf meiner Reise. In dem Moment in dem man das Tier endlich erkennen kann und den Moment auskostet, fleißig fotografiert und an nichts anderes denkt, vergisst man die Zeit und alle anderen Gedanken.

tiger in indien

Auf der Nachmittagssafari gab es bis zum Schluss nicht mehr allzu viel zu sehen, da die meisten Tiere der Nachmittagshitze auswichen, doch zum Schluss hatte ich noch einmal das Glück einen der Tiger zu sehen. Dieses Mal kletterte ich sogar auf das Dach des Safaribuses, um einen möglichst guten Blick zu erhaschen.

Jaipur – die rosarote Stadt

Jaipur – „Die rosarote Stadt“ war das Ziel der nächsten zwei Tage. Nach der Ankunft verbrachte ich den Nachmittag mit der Besichtigung des Astronomischen Zentrums, wo es allerlei Messinstrumente zur Feststellung von Planetenkonstellationen, Sonnenzeit und Mondposition zu bewundern gab – ich wusste nicht viel über diesen Ort und dachte an ein langweiliges Museum. Es stellte sich jedoch heraus, dass die meisten Objekte haushohe Konstruktionen in einem Freiluftpark waren und zweifelsfrei von großem Erfindergeist zeugten (wie zum Beispiel einen Sonnenuhr, die die astronomische Zeit auf zwei Sekunden genau anzeigt). Danach spazierte ich noch durch den Stadtpalast, der nicht durch seine Alter, dafür aber durch Farbenpracht und Anlage beeindruckt.

Am darauf folgenden Morgen stoppten mein Fahrer und ich noch am Palast der Winde, der sich zu meiner Überraschung nur als Fassade herausstellte. Zu Maharadschazeiten verbargen sich hinter den tausenden kleinen Fenstern und Erkern die Maharani, um, von der Öffentlichkeit verborgen, den Paraden des Maharadschas auf der Straße zuzusehen.

Amber Fort Indien Jaipur

Die letzte Station meines kurzen Indienaufenthaltes war nun das Amber-Fort. Eine Palast- und Wehranlage, die erhaben auf den Hügeln vor Jaipur über mehrere Generationen hinweg gebaut und erweitert wurde. Die typische Bauweise mit öffentlichem und privatem Audienzbereich, sowie den Innenhöfen und Aussichtspalästen zeigten die kulturelle Geschichte und Großartigkeit von Rajastan und bilden einen starken Kontrast zu den oft erschreckenden Zuständen, die einem im Straßenalltag begegnen.

Wie in Indien üblich beharrte mein Guide nach der Tour darauf, mir die Kunst der Steinschleiferei zu zeigen, was – wenig überraschend – in einem Verkaufsraum endete. Nach acht Tagen in Indien war ich auf das ja schon vorbereitet. Was mich allerdings wirklich zum Staunen brachte, war die Tatsache, dass sich in Mitten von Müllhalden aus denen Schweine fraßen, ein Juwelier befand, dessen Schauraum wahrscheinlich genauso gut auf der 5th Avenue in New York hätte sein können. Diese Bild beschreibt meinen Indien-Eindruck wohl am besten – Gegensätze wie ich sie sonst noch nirgends erlebt habe.

Nach der Fahrt zurück nach Delhi verbrachte ich noch ein paar Stunden im Hotel, bevor ich gegen Mitternacht zum Flughafen aufbrach – die letzte Woche war unglaublich interessant und von kulturellen Sehenswürdigkeiten geprägt, wenn gleich auch sehr anstrengend. Zum ersten Mal seit meiner Abreise kam Urlaubsstimmung auf, als ich in Delhi auf meinen Flug wartete und Freddy Mercury lautstark in meinem iPod hämmerte.

Hier geht´s zur Übersicht über die Reiseberichte von Lukas‘ Weltreise

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